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Montag, 13. April 2026

"Kein Rassismus"

Im Habibi-Atelier im 1.Stock der Arkaden, des Einkaufszentrums nahe der S-Bahn Harburg-Rathaus, findet vom 20.März bis zum 24.April eine Ausstellung statt. Motto: "Kein Rassismus". Es sind wohl an die 100 oder mehr Exponate. Die meisten von ihnen haben mit dem Slogan "Rassismus" nichts zu tun - von daher stimmt denn auch das Motto "Kein Rassismus".    °° Die Vermischung unterschiedlichster

Stil- und Ausdrucksarten und -techniken mit politisch tendenziösen Darstellungen, wirkt verwirrend. Unter das Motto "Kein Rassismus" lässt sich praktisch ALLES  subsumieren!!
Von dem Tattoo-Künstler und Maler Vlady finden sich Bilder von bestechend professioneller Qualität. Sie passen exakt unter das Motto "Kein Rassismus". Ich weiß nicht, wie diese Bilder entstanden sind. Handgemalt? Oder am PC entstandene Ausdrucke von Bild-Dateien? Oder eine Mischung aus beidem?
Die obigen vier Gemälde sind von 2 unterschidlichen Künstlerinnen. "Kein Rassismus" wird hier von den Macherinnen nicht als x-beliebiger Slogan aufgefasst, sondern ernsthaft behandelt. Maryam ist eine im H-Atelier tätige Kreative. Ihre 3 Blder beziehen sich vor Allem auf die Situation Farbiger in den USA. Auf dem Bild in der Mitte, das einen Menschen in einer Badewanne zeigt, bedeckt mit Eiswür-eln, steht -auf der Abb. oben nicht erkennbar- das Wort ICE geschrieben, die Abkürzung für das US-  Imgrationas and Customs Enforcement. Auf den linken Bldern wird -meine Interpretation- das Thema Marginalisierung, Ausgrenzung von Farbigen Menschen dargestellt. Die Parolen "Kein Rassis-mus? Protest gegen Rassismus!" wurden vom Autor dieses Blogs hinzugefügt. °° Das rechte Bild ist für mich die selbstbewusst-positive Darstellung afrikanischer weiblicher Schönheit.
3 Bilder von einem-r Maler-in. Das linke erinnert an Dali-Landschaften; das mittlere könnte einen schwer gepanzerten Mann -Polizist? Soldat? Sportler?- in einer -angedeutet- Menschenmenge darstel-len. Das rechte Bild zeigt ein kopfüber in zerpflügtem Boden steckendes Kreuz. Vielleicht stammt der oder die Malerin aus der Ukraine?
2 verschiedene Künstler-Innen, die in verblüffend "wahrer" Weise den Slogan "Kein Rassismus" wi-derspiegeln.  
Auch diese beiden Gemälde eines jungen Künstlers lassen ihre Verbindung mit dem Ausstellungs-Motto kaum erahnen. Oder sind die -weißen!!- Badenden eine sublime Provokation?  Auf einigen der folgen-den Bilder wird, interpretiere ich, in "engagierter" kritischer Weise die reduzierte Sichtweise auf Frau als Sexual-Objekt thematisiert. Die beiden rechten sw-Zeichnungen/Drucke sind Vergrößerungen. 

Im Folgenden einige Bilder-Bild-Collagen bzw. -Assemblagen mit ziemlch eindeutiger Tendenz: Pro-test gegen Unterdrückung farbiger Menschen. Wahrscheinlich bezogen auf die Situation in den USA, wo weißer Rassismus immer noch häufig vorkommt. °°


Ich erinnere an den gewaltsamen Tod von George Floyd, einem Schwarzen, der brutal von Polizisten festgenommen und, vor laufender Kamera, durch massiven Druck auf seinen Hals erstickt wurde. °° Ich hatte, unter Hinweis auf das Thema dieser Bilderschau, eine Collage angefangen zum Thema George Floyd. Dabei hatte ich ein komiches Gefühl. Bei Auftragsarbeiten ertappe ich mich nämlich dabei, möglichen Betrachtern gefallen zu wollen. Solche Bilder werden fast immer schlecht. Sie gefallen vielleicht anderen - aber mir selber nicht. Ich möchte "authentisch" sein. 

                                                                                                    Raimund Samson 

p.s.  Mein obiger Artikel  beinhaltet rein subjektiv Eindrücke und Gedanken. Die Ausstellung ist weitaus umfassender, als ich hier zeigen kann.  Ich möchte in einem weiteren Artikel eine Problematik aufzeigen, die sich m.E. beim Thema "Kein Rassismus" ergibt.


 
 

 


Donnerstag, 28. März 2013

Junggesellenmaschinen


1976 besuchte ich in Düsseldorf eine Ausstellung, die auch in Bern, Venedig, Brüssel, Paris, Malmö, Amsterdam und Wien gezeigt wurde. Der Titel: „Junggesellenmaschinen“. Ich freue mich, den Katalog, den ich verloren wähnte, wieder gefunden zu haben. Mit der Ausstellung, an der zahlreiche namhafte (Marcel Duchamp, Man Ray, Picabia, Günter Brus, Jean Tinguely, Max Ernst, Salvador Dali, Raymond Russell u.a.) wie auch weitgehend unbekannte Künstler (Heinrich Anton Müller, Robert Müller, Joey u.a.) und Literaten teilnahmen, war –ein Aspekt- der Erforschung des Mysteriums Mann gewidmet. Es wurden Gemälde, Skulpturen (darunter Masturbationsapparate), Zeichnungen, Zeitschriften gezeigt – an die Ausstellung selber erinnere ich mich nur schwach, aber der Katalog beeindruckte mich seinerzeit sehr. Ich erinnere mich, daß ich damals in einer Männer-Gruppe mitmachte und mir von der Kunst allgemein und speziell vom Junggesellenmaschinen- Katalog Anregungen bzgl. der an mich herangetragenen Forderung nach Emanzipation als Mann erhoffte. Wie weit bin ich frei? Inwiefern bin ich bzw. handle ich mechanisch, befangen in vorgegebenen Rollen-Schemata? * Wolf Wondratschek schrieb Ende der 60-er Jahre ein Gedicht, das in diesen Kontext passt: „Als Alfred Jarry merkte, daß seine Mutter eine Jungfrau war, bestieg er sein Fahrrad“. Je mehr ich mir gewisse Fragen vergegenwärtige, die vor beinahe 40 Jahren wichtig waren und auf eine intelligente Art gestellt wurden, desto flacher und nichtssagender kommen mir heutige Kunst-Diskurse vor. Es geht nur noch um Erfolg, Marktwert und political correctness. Es gab damals, so scheint mir, eher Möglichkeiten, in der KUNST (oder Poesie) Antworten auf schwierige oder quälende Fragen zu finden, als 2013. Vielleicht ist heute eine der wichtigsten Fragen bzgl. Kunst:  Wieso brauchen wir sie überhaupt noch? Gibt es Bedürfnisse, die ich NUR in der Kunst befriedigen kann?   --- 236 S.,  17,5 x 27,5 cm, zahlr. Abb., printed in italy, Alfieri  ---       **RS**