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Mittwoch, 26. August 2026

Georgine Kellermann "Der lange Weg zu mir selbst"

 

Das Buch ist leicht verständlich, mir als Leser gut nachvollziehbar geschrieben mit der Lebens- und Leidens-geschichte der Protagonistin Georgine Kellermann. Sie wurde 1957 geboren. Es war ein langer, spannender und, so empfinde ich, ehrlich erzählter Weg, wie aus Georg Georgine wurde. Der Untertitel des Buchs lautet "Meine Befreiung als Trans*frau nach über 60 Jahren". Es hat so garnichts von der oft marktschreierischen Exzentrik mancher LGBTQ-Aktivisten, die ihrem Ärger und Wut über angebliche oder tatsächliche Ungleich-Behandlung lautstark Luft verschaffen. Und wenn doch? Wäre es mir fast egal. Georgine kommt sympathisch ubd unaufdringlich "rüber". Und ich frage mich: Weshalb gibt es heute oftmals Probleme seitens eines nicht kleinen Teils der Bevölkerung mit "queeren", "binären" und anderen Menschen, die zur LGBTQ-Community gezählt werden. L= lesbisch, G= gay (schwul), B= bisexuell, T= transgender , Q= queer. Meine Definitionen fand ich auf der Website www.desired.de/lifestyle/was-bedeutet-lgbtq/  °° Die Probleme, die wir heute haben, kommen m.E. daher, daß staatlicherseits hunderte Millionen € ausgegeben werden. Jahr für Jahr wird gigantisch investiert, um die Ideologie der LGBTQ medienstark zu verbreitern, diesbezüglich Arbeits-plätze zu schaffen, das ganze Land mit entsprechenden Netzwerken zu überziehen. Wer Kritik daran übt, daß hier Gelder ausgegeben werden, die anderswo fehlen, wird als "Nazi", "Reaktionär", "dumm" etc. abgetan und an den Pranger gestellt. Schade. °° Georgin Kellermanns Buch empfehle. 27 Seiten, Ullstein, 2024
                              Raimud Samson 
 

Montag, 29. Dezember 2025

Jhamala Katharina Goerttler : WELTEN

Untertitel: WEG VON DER PSYCHOSE

"Was für eine tolle Idee", denke ich: Eine Frau lässt sich psychiatrisch behandelnn, weil sie sich für krank hält und  -ein Symptom- Stimmen hört. Wie hilfreich könnte ein Buch sein von einer, denke ich, welche die von Angst und Schrecken geprägte Institution Psychiatrie von Innen heraus erlebt. Und sodann mit einem hohen Maß an Kompetenz darüber schreibt. Kritisch.

"Sie hat das Gefühl, jemand anderes steuert und lebt ihr Leben. Sie fühlt sich um ihr bisheriges Leben betrogen. Sie fühlt, daß es in ihrem Leben gar nicht um sie geht", lese ich auf der Buch-Rückseite. ::: Was für viel versprechende Sätze! Allein in Hamburg gibt es tausende, nein: zigtausende Menschen, die sich um ihr Leben betrogen fühlen. Die das Gefühl haben, daß es nicht um sie gehe. ... & weiter in diesem plotartigen Stil: "Schritt für Schritt taucht die Autorin in ihre bisherigen Lebenswelten ein und transformiert sie." Liest sich interessant; bisherige "Lebenswelten ... transformiert..." ?? ° Solche Sätze machen nugierig. Ich bin gespannt, aber auch skeptisch. Ich selber habe, supersensibel, eine lange Geschichte mit psychischen Ängsten hinter mir, in der ich viele Wege versuchte und teilweise ging. Dabei haben mir immer wieder Dichter-innen und Schriftsteller, aber auch bildende Künstler-innen, Musiker, Filmemacher Anregungen gegeben. ° Also begann ich, das Buch von vorne zu lesen. Und stolperte gleich über den ersten Satz: "Krankheiten sind dazu da, sich selbst besser verstehen zu lernen". Solch eine Behauptung könnte ich mir als Resümee vorstellen - aber als Anfang? Ich lese weiter. Die Erzählungen einer Autorin, die offen- oder schein-bar sehr klug ist - und zielstrebig, leider auch pedantisch, innere wie äußere Vorgänge beschreibt. °°° Ich lese und lese ... bis Seite 79. Plötzlich fühle ich mich gelamgweilt.  Angeödet. Und mir fällt der Spruch eines weltberühm-ten Dichters ein, der einst zu Papier brachte: "Man spürt die Absicht und ist verstimmt" Das Buch hat mehr als 230 Seiten. Die Sprache kommt mir auf Dauer eintönig vor, eingleisig. Was ich auf 79 Seiten lese, lässt sich, ohne Substanz-Verlust, auch auf 7-9 Seiten schreiben, denke ich. °°° Mir fehlen allgemeinere Statements zur Situation psychisch Kranker in diesem Land. Ich habe täglich mit der Problematik zu tun. Leider kreisen die Erzählugen von Frau Goerttler allein um ihre eigene Geschichte. Die darauf hinausläuft, daß sie, angeblich, seelische Leiden heile. Der Text auf der Rückseite des Buchs endet mit dem Satz "Jhamala heilt". Die Frage ist nur: Wen?  Ein Buch kann sensibilisieren ... Anregungen geben. Ich bezweifle, daß die Autorin J.K.Goerttler andere Menschen heilt. °° Siehe auch diesen meinen Blog: http://raimundsamsonkreativ.blogspot.com/2025/09/psycho-day-2018-2025.html

°° Verlag "Glücksuniversum"  232 S., isbn 978-3-949536-27-4   30,18 € -Amazon- 

                                                                                                  Raimund Samson
   

Dienstag, 21. Oktober 2025

Dieter Hildebrandt - Der Anbieter

Das Buch erschien vor 31 Jahren. Ich "erstand" es für lächerliche 50 ct.  Hildebrandt erspinnt ein bös-sarkastisches Interview mit einem Vertreter der TV- und Rundfunk-Medien. Der Mann heißt "Wanzek" und wird als "Medienhändler" bezeichnet. Der Autor beginnt bereits im Vorwort mit spitzer Feder, Witz, Ironie und Schlagfertigkeit seine spannende Humorlandschaft mit Sprach-Raketen, netten Rohrkre-pierern, ironischen Pointen, Wort- Hinterhalten usw. zu konstruieren. Vieles ist auch Klartext. S.7- 8 : "Die regierenden Parteien halten inzwischen flächendeckend die deutsche Medienlandschaft besetzt, hie und da noch aufflackernder Widerstand wird niedergequotet, das Volk erhält seine Anweisungen über den regierungseigenen Kanal SATI. Ab der nächsten Legisla-turperiode wird die digitale TV-Wahl eingeführt. Das Votum wird über Ted ermittelt.  -Anm.: TED = Technology-Entertainment-Design

Was Hildebrandt als ein Schreckensgemälde aufs Papier bringt und auf der Bühne präsentierte, ist die mediale Allmacht staatlicher Organe. ARD, ZDF, Deutschlandfunk u.a. GEZ-Medien sind tatsächlich nichts weiter mehr als der verlängerte Arm der Parteien CDU, SPD, Die Grünen, FDP. Auch "Die Linke" fällt da kaum aus dem Rahmen. Immerhin gibt es aber auch inzwischen sehr gute, sachlich-kompetente Zeitungen-Zeitschriften-Medien, darunter das Flaggschiff "Junge Freiheit, ein Wo-chenblatt, das, ohne Hysterie und radikales Getue, viele Informationen bietet, die ich über die GEZ-Medien nicht bekomme.  NGO's -Nicht-Regierungs-Organisationen-  versuchen, alle vom Mainstream abweichenden Meinungen als "rechts", "rechtsextrem" auszugrenzen oder, verfangen diese Etiketten nicht, deren Verbreiter als "Dummköpfe" oder "Spinner" oder "Verschwörungstheoretiker" unschädlich zu machen. °° Mit dem "Netzwerkdurchsetzungsgesetz" 2017 gab sich der deutsche Staat das Recht und die Macht, Internet-Foren, "rechte" alternative Medien, Kanäle usw. auszubremsen, zu zensieren, zu löschen, sozial zu isolieren. Auch bei Facebook wurde reichlich gelöscht, blockiert... /// Von all dem bekam der große Kabarettist nichts mehr mit, denn er starb 2013, 86-jährig. °° Dieter Hildebrandt verkörpert für mich eine Medien- und Polit-Welt, in der noch Debatten geführt und Andersdenkende als Teil einer demokratischen Ganzen ernst genommen und einbezogen waren.  Heute ist die Gesellschaft NOCH viel stärker zersplittert als in den 90-er Jahren, wo das Buch erschien. Wenn ich micht nicht irre, war Hildebrandt ein SPD'ler, ja ein SPD-Urgestein. Tja, damals konnte man diese Partei noch wählen. 
 
                                                                                           Raimund Samson    

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Wolfgang Hildesheimer - MOZART

Gut 400 Seiten geballte Information, Erzählung, wissenschaftliche Analyse; das Ganze in einer denkbar präzisen Sprache. Wolfgang Hildesheimer, 1916-91, gelang mit seinem Mozart-Buch ein Meis-terwerk. Das Buch erschien bereits 1977, erst jetzt las ich es. Mozart war ein Genie, aber in meinem Gedächtnis auch eine Art Klischee-Figur. Ich befasste mich lieber mit anderer Musik. °° Hildesheimer bestätigt viele Dinge, die bekannt sind, zB daß der weltberühmte Komponist bzgl. seines Werkes Rätsel hinterließ, die nicht mehr gelöst werden können. Dabei gehört seine Vita wie auch sein umfangreiches Werk zu den besterforchten Gegenständen der Musik-Historie. Biografie-Forschung ist eine eigene Sparte. °° Der Autor kennt sich bestens aus, auch in den Termini der musik-wissenschaftlichen Begriffs-Sprache. Aus Bewunderung für das Hildesheimer-Buch gerate ich ins Schwärmen - vielleicht darf ich so sagen: "MOZART" ist eine Art ultimatives Werk, mit größtmöglcher KOMPETENZ verfasst. Ich wüsste nicht, was ein schreibender Mensch noch besser machen könnte, 236 Jahre nach dem Tod des österreichischen Komponisten. Wenn dem Wunderkind-Genie durch Erzählung und Wissenschaft Ge-rechtigkeit widerfährt, dann mit diesem Buch. Was nicht bedeutet, daß es nicht noch andere sehr gute Bücher, Erzählungen, sozio- wie psychologische Abhandlungen u.ä. zum Thema gäbe.                                                                                 Was ich nicht wusste, vom Autor des Buches aber ziemlich plausibel beschrieben wird: Mozart war kein besonders guter Menschenkenner. Dies ist wohl auch eine, vielleicht die Haupt-Ursache für den sozialen Niedergang des überragenden Mannes. °° Die sehr ausführliche Zeittafel geht über 20 Seiten. ° Die schiere Menge der Kompositionen, die Mozart von seinem 7. Lebensjahr bis zu seinem Tod als 35-jähriger schrieb, ist gigantisch. Das Köchel-Verzeichnis umfasst 626 Werke. Ca. 150 davon werden im Hildesheimer-Buch erwähnt bzw. ausführlicher besprochen.  ° Zum Buch gehört auch ein ausführliches Personenregister. °° Sorry für das mehr geschmier- als ge-malte Hildesheimer-Porträt. Im Internet finden sich auch viele gute FOTOS ...                                           Raimund Samson


Donnerstag, 21. Juni 2018

Ein "Pegida-Opa" aus Sachsen erzählt ...

Recht zu haben ist gut und relativ einfach. Aber auch eine ziemlich ABSTRAKTE Sache. - Erfreulich finde ich, wenn Menschen KONKRET werden und ihre Lebensgeschichte erzählen. Für mich werden so bestimmte Dinge erst anschaulich, werden plastisch, sinnlich nachvollziehbar.


Paul Groh ist ein Facebook-Freund aus Sachsen. Er trägt den Beinamen "Pegida-Opa". Dies bedeutet, daß er ein PEGIDA-Veteran ist und, knapp 72 Jahre alt, zu den älteren Protestlern zählt. Groh alias Steffen Musolt (so sein "richtiger" Name) war schon zu DDR-Zeiten nicht system-konform. Er gehörte nicht zum SED-Regime, sondern war Mitglied der CDU.
Nun hat er seine Erinnerungen aus der Zeit nach dem Mauerfall veröffentlicht.

                       
Für mich hat PEGIDA nun ein weiteres, sympathisches Gesicht.
Wir brauchen Menschen, die unbequem sind und zur Wahrheit stehen, zu ihrer persönlichen Wahr-heit.  
Nun können wir nicht erwarten, daß alle anfangen, ihre Lebensgeschichten aufzuschreiben. Aber der Steffen Musolt alias Paul Groh bietet ein gutes, Mut machendes Beispiel. 
                                                                                                                          °° RS °°

Samstag, 17. März 2018

Martin Mosebach: "Die 21"

Ich erinnere mich an das Video, das 2015 seinen Weg durch die "social media" machte: 21 in orange-farbene Overalls gehüllte Männer, Gefangene des IS, werden, die Hände der Henker im Nacken, an einen Strand in Libyen geführt, um dort vor laufenden Kameras geköpft zu werden. Diese Männer, von denen bis auf einen alle aus dem Dorf El-Or in Ägypten stammten, waren koptische Christen. Sie hatten sich als Wanderarbeiter nach Libyen begeben, um dort Geld für ihre Familien zu verdienen. Ca. sechs Wochen lang wurden sie vom IS gefangen gehalten und geschlagen. Sie hätten die Möglichkeit gehabt, ihrem Glauben abzuschwören, taten dies aber nicht, sondern verrichteten in ihrer Gemeinschaftszelle täglich Gebete und sangen die Lieder ihrer christlichen Tradition. Dann das barbarische Ritual am Meer...  °° Der Schriftsteller Martin Mosebach, der bereits 2002 in Ägypten weilte und dort ein koptisches Kloster besuchte, fuhr im Frühjahr 2017 erneut in das Land, um die Angehörigen der Märtyrer zu besuchen und Näheres über ihre Leben zu erfahren. Sie waren zwischen

22 und 46 Jahre alt, die meisten in den Zwanzigern, einige von ihnen verheiratet. Mosebach erzählt sehr behutsam, unaufdringlich, ohne es an Genauigkeit fehlen zu lassen. Er spart auch die ästhetische Dimension des Geschehens nicht aus - nämlich bezüglich der Hinrichtungen, die von den IS-Killern in HighTec-Qualität aufgenommen wurden, um eine möglichst starke propagandistische Wirkung zu erzielen; zum anderen in Bezug auf Ikonenmalerei und andere Merkmale koptisch-christlicher Tradition. Nach den Hinrichtungen setzte ein Verehrungs-Kult ein. Den durch ihr Märtyrertum zu Heiligen Gewordenen wurden Ikonen gemalt und Kirchen gebaut. Zeitlebens waren sie eher bescheidene, unauffällige Gemeinde-Mitglieder gewesen - nun gehören sie zum Kanon der Heiligen. Ihre Familien leben damit. Der Alltag geht weiter. Das Video der Hinrichtungen ist bei den Angehörigen jederzeit greifbar, auch Kinder schauen es sich an. Wenn die IS-Killer gehofft hatten, die Spirale der Gewalt noch weiter hinaufzuschrauben, so haben sie sich bei den Familienange-hörigen getäuscht. Sie schwelgen nicht in Rache- oder Kriegs-Phantasien. 
Der Untertitel des Buchs lautet "Eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer". Ich erfahre so auch viel Interessantes über die Geschichte der koptischen Christen, ihre Liturgie, ihr Verhältnis zum Land Ägypten. ° Im Kapitel "Ein Gespräch über das Martyrium" (S. 43-50) kommt die Haltung des säkularen, aufgeklärten Ägypten zum Ausdruck. Mosebach verdichtet sie in persona eines jungen Arabers, Sohn kommunistischer Eltern, der in London "ohne Berührung mit der Religion" aufwuchs, aber nach Kairo zurückkehrte, um eine Software-Firma zu gründen. Seine Abwehr gegen jede Art von Märtyrertum dürfte sich kaum von der unterscheiden, die bei uns gang und gäbe ist. 
          Ein Buch, das mich berührt.                     270 S., Rowohlt, Februar 2018, 20 €
                                                             °° RS °°  

Sonntag, 19. November 2017

Alexander Gauland - Konservativsein

Noch vor wenigen Jahren hätte ich das Buch bestenfalls mit spitzen Fingern angefasst. Für mich galt die Formel "Konservativsein = langweilig". Seit meinem Auftrittsverbot als Künstler in "meinem" Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg aufgrund positiver AfD-Posts hat sich einiges geändert. Ich habe mich getäuscht. Mein jahrzehntelanges Engagement als Organisator von Lesungen, Ausstellungen, Radiomacher, Herausgeber von Zeitschriften usw., von dem hunderte Künstlerinnen, Dichter, überhaupt: Kreative, profitierten, schützt mich nicht davor, aus einem lang gewachsenen sozialen Gefüge hinausbefördert zu werden ... Ich denke um... /// Das Buch des AfD-Politikers Alexander Gauland erschien erstmals 2002 und wurde nun, in leicht überarbeiteter Form, neu herausgegeben. Für mich, der um das Thema stets einen großen Bogen machte, ein Glücksgriff. Als Anfänger auf dem Gebiet "Konservativismus" sehe ich mich gut eingeführt in die Materie; Gauland weiß spannend und pointiert die Geschichte des neuzeitlichen Konservativseins zu erzählen, die bei ihm im 18. Jahrhundert losgeht. In Deutschland werden Konservative und Rechtsradikale gern in einen Topf geworfen. Außerdem gibt es neuerdings den Begriff des "Rechtspopulisten", um alles nicht-Linke zu verteufeln. Der 1941 geborene Autor schildert bemerkenswert besonnen, nie affektiert und stets an Historie und Begrifflichkeit orientiert, was es mit dem "Konservativsein" auf sich hat. Mehrfach erwähnt wird der irisch-britische Schriftsteller, Staatsphilosoph und Politiker Edmund Burke (1729-1797), der als "geistiger Vater des Konservatismus" (Wikipedia) gilt. Mehrfach genannt wird auch Tocqueville (1805-1859), der französische "Begründer der vergleichenden Politikwissenschaft" (Wikipedia). Weitere Autoren: Nietzsche, Arnold Gehlen... // Die deutsche Geschichte wird besonders intensiv behandelt. Ich finde keine auch noch zu winzige Spur von rechtsradikaler Propaganda, Verharmlosung des Faschismus oder der Nazis ... // Ich las das ganze Buch + werde es wohl auch in Zukunft in die Hand nehmen.  Ich lerne. Die frühen Konservativen waren stark auch von der Romantik geprägt - während später, lese ich, romantische Haltungen vor Allem von Linken übernommen wurden (dafür bin ich selber ein Beispiel). Faszinierend. Ich bin durch Gauland auf ein höchst interessantes und sehr komplexes Thema gestoßen. Es eröffnen sich neue Denk-möglichkeiten... --  144 S., 16,80 €  
                                                              °° RS °°

Dienstag, 19. September 2017

Joey Kelly - "Hysterie des Körpers"

Joey Kelly wurde ab den 80-er Jahren bekannt und berühmt als Sänger und Guitarrist der "Kelly Family". Nach dem Tod des Vaters wurde er Geschäftsführer des zeitweise auf mehrere hundert Mit-

arbeiter angewachsenen "Kelly Family"-Unternehmens. Seit gut 15 Jahren tritt Joey K. vor allem als Exptremsportler in Erscheinung. In dem Buch "Hysterie des Körpers" beschreibt er die Grenzerfah-rungen, die er seinem Lauf bzw. Marsch von Wilhelmshafen bis zur Zugspitze (zu Fuß auch auf den Gipfel!) verdankt. Das Ganze in 3 Wochen! Bei dieser Rekordleistung für die knapp 900 Kilometer bewältigte er täglich im Schnitt eine Strecke, die größer als die Marathon-Distanz ist. Erschwerend kam hinzu, daß er ohne Geld und Lebensmittelvorräte lief bzw. marschierte. Er ernährte sich ausschließlich von dem, was er am Weg fand. Er schlief auf einer Plastikplane... Begleitet wurde er von einem Fernseh-Team, das über GPS die jeweilige Lauf-Position erfuhr und ihn ein paar mal besuchte, um zu filmen. °°° Auf den gut 200 Seiten beschreibt Joey Kelly die Vorbereitungen zu seinem Ultralauf sowie einzelne Etappen und was er dabei erlebt, wie er seine Umgebung wahrnahm usw. Zwischen die Kapitel sind Erzählungen über die Geschichte der Kelly Family eingebaut. Das gefällt mir sehr gut. Ich habe mich noch nie für einen Sportler oder Musiker interessiert, ohne Neugier auf den Menschen bzw. die Persönlichkeit, die hinter besonderen Leistungen steckt. Ich bin fasziniert. "Hysterie des Körpers" ist kein literarisch besonders ausgefeiltes Buch, aber gut lesbar geschrieben, spannend und sehr informativ. Ich kann dem Autor und Sportler nur meinen größten Respekt zollen.  
                                                                °° RS °°  

Mittwoch, 30. August 2017

Alexandra Manske: "Kapitalistische Geister"

Der komplette Titel des Buchs von Alexandra Manske lautet "Kapitalistische Geister in der Kultur- und Kreativwirtschaft", Untertitel: "Kreative zwischen wirtschaftlichem Zwang und künstlerischem Drang". Frau Dr. Manske ist studierte Soziologin und forscht und lehrt an der Hamburger Universität

u.a. Die Autorin untersucht die Situation von Kreativen in Deutschland, die, von Ausnahmen abgesehen, oftmals unter schwierigen Bedingungen arbeiten: Entweder als "Freiberufliche", die beispielsweise ihr Geld bei Print- und/oder TV-Medien verdienen, oder als Angestellte zu höchst unterschiedlichen Konditionen in "Festanstellung" arbeiten, aber meist mit einem zeitlich beschränkten Vertrag ausgestattet sind. Einige befinden sich in (Teil-) Abhängigkeit vom Arbeitsamt, als sogenannte "Aufstocker". Manske beschreibt akribisch die Entwicklung der Situation von in der "Kultur- und Kreativwirtschaft" Tätigen und erforscht diese auch historisch mit dem Schwerpunkt auf den letzten 50 Jahren. Ihr besonderes Interesse gilt jenem Bereich, der als "Design" bezeichnet wird.
Ich war auf dieses Buch neugierig, weil ich selber Künstler bin und etliche Stufen einer entspre-chenden Vita und Karriere durchlaufen habe, u.a. lebte ich 15 Jahre als professioneller Puppenspieler. Ich sammelte auch Erfahrungen als Schriftsteller, Organisator von Lesungen und Ausstellungen (Einzel- und Gruppen-Ausstellungen, auch Präsentation eigener Bilder), Herausgeber von Zeitschriften und Anthologien, Radiomacher u.a. 
Das Buch lässt an wissenschaftlicher Genauigkeit m.E. keinen Wunsch offen: Begriffe werden ausführlich und genau beschrieben, auch die Geschichte der Begriffe, die Autorin webt und flicht ein dichtes und vielschichtiges Bild, das den komplexen von ihr untersuchten Bereich ausgiebig unter die Lupe nimmt. Und doch fehlt mir hier etwas. Frau Manske listet unter "Literatur" fast 700 Bücher bzw. Aufsätze auf, außerdem verweist sie auf 46 Internetquellen. Zwei ihrer Favoriten unter wissenschaftlichen bzw. philosophischen Autoren sind Pierre Bourdieu und Michel Foucault. Ich staune: Marx ist nicht aufgelistet. Sollte man Karl Marx nicht gelesen haben, wenn man "Kapitalistische Geister in der Kultur- und Kreativwirtschaft" verstehen und beschreiben will? Erstaunlicherweise wird aber Antonio Negri, ein italienischer Wissenschaftler, der wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, mit zwei Werken aufgeführt. Nicht erwähnt werden Kreative, die die Kultur- und Kreativ-Szene in diesem Land entscheidend beeinflusst haben und noch immer von großer Bedeutung sind; es sind  hochkarätige Künstler, die auch theoretisch Wichtiges zu sagen haben. Ich rede hier von Josef Beuys und Bazon Brock. Frau Manske schreibt von Paradigmenwechseln in Gesellschaftlich und Wirtschaft. Josef Beuys war einer, der mit seiner künstlerischen Arbeit und mit seinen Theorien etwa über die "soziale Plastik" und den "erweiterten Kunstbegriff" viel Aufsehen erregte und selber auch Paradigmenwechsel in den Diskursen über Kreativität, Kunst usw. erreichte bzw. heraufbeschwor. Dieser Mann wird nicht erwähnt unter "Literatur". Auch Bazon Brock nicht - ebenfalls ein hochkarätiger Künstler, fundierter Kenner der deutschen und internationalen Kunst-Szene sowie in theroretischen Fragen sehr versiert. In einer Fußnote wird Jackson Pollock erwähnt, ein amerikanischer abstrakter expressionistischer Maler. Beim Überfliegen der Literaturliste lese ich den Namen Tanja Dückers, eine Berliner Autorin. Und sonst?? - Mehr als zwei Dutzend staatlicher Publikationen wie "Bundesagentur für Arbeit (2013)...", "Bundesratsdrucksache 558/1/08..." werden aufgelistet. Sicher enthalten solche statlichen Publikationen Informationen, die zum Verständnis des Arbeitsmarktes wichtig sind. Aber von einem Buch über "Kapitalistische Geister in der Kultur- und Kreativwirtschaft" erwarte ich auch Hinweise auf Künstler und Autoren-Autorinnen (Valie Export ist eine wichtige feministische Künstlerin, auch Rosemarie Trockel wäre m.E. auch zu nennen), die kapitalistische, anti-kapitalistische und andere Geister in Bewegung gebracht haben und immer noch bringen. °°° Vielleicht hängt das von mir monierte Fehlen von bestimmten Hinweisen mit dem Herausgeber des Buches, der DGB-eigenen Hans-Böckler-Stiftung zusammen. Außerdem wurde die vorliegenden Studie vom "Bundesministerium für Forschung und Wissenschaft" gefördert. Man ahnt, daß die Verantwortlichen dort mit Künstlern wie Josef Beuys und Bazon Brock Probleme haben dürften. Immerhin entließ SPD-Mann Johannes Rau den Professor Josef Beuys aus dem Staatsdienst.  °°° Ich habe das Buch bis zur Seite 104 genau gelesen. Mehr schaffte ich nicht, da ich es zurückgeben musste. Interessant -auch für meine Denkweise- ist Kapitel 6. Berlin als Ort für künstlerisch-kreative Arbeit", das ich aus zeitlichen Gründen leider nur überfliegen konnte. * Und mit ebensolchen -fliegenden- Grüßen verbleibt freundlich der Rezensent.
                                                                                                 °° RS °° 

Dienstag, 8. August 2017

Max Reinhardt: Die Träume des Magiers

In dem gut 200 Seiten starken Buch, erschienen 1993 im Residenz Verlag (bekannt für Poesie-Bücher zB von H.C. Artmann), sind zahlreiche Briefe Reinhardts, Ausschnitte aus Gesprächen, von ihm gehaltene Reden u.ä. abgedruckt. Max Reinhardt (1873-1943) ist ein legendärer Schaupsieler, Regisseur, Theatermacher, geboren in Österreich, der später hauptsächlich in Deutschland (u.a. in Berlin), aber auch in mehreren europäischen Ländern und in Amerika tätig war (Gastspiele, Regie-Arbeit). Das Buch ist grob gegliedert in 11 Kapitel, zu deren Beginn Nacherzählungen der jeweiligen Lebensabschnitte stehen, die mit Briefen und anderen Text-Beispielen des Meisters konkretisiert werden. Die chronologische Reihenfolge wird immer wieder durchbrochen. Ich hatte mir von dem Titel "Die Träume des Magiers"  unkonventionellere "Kost" erwartet, non-konformere Gedanken und Ideen. Bin von daher etwas enttäuscht. Man muß aber berücksichtigen, daß es sich hier um ein Begleitbuch zu einer Ausstellung der Max Reinhardt Forschungsstätte in Salzburg handelt, die ihm anläßlich des 50. Todestages gewidmet wurde. Es geht also nicht um Kritik am damaligen Zeitgeist (bzw. nur am Rande) oder um originelle Vergleiche zwischen der damaligen und der heutigen Theater-Szene, sondern um die Persönlichkeit des Theatermachers, seine Ideen und sein Werk. Diesbezüglich ist das Buch sehr informativ. 

                       
Die Rede über den Schauspieler ist auch in  dem Buch abgedruckt.
                                                                                                                        °° RS °° 

Sonntag, 26. März 2017

Mutige Menschen - Jürgen Hobrecht

                           
Ich bin seit vielen Jahren beruflich, aber auch "ehrenamtlich" mit behinderten Menschen verbunden. Mir fällt auf, daß auf Gesetzesebene eine Menge "getan" wird, und auch durch diverse gesell-schaftliche Institutionen; das Thema "Behinderung" ist wirklich angekommen in allen Bereichen der Gesellschaft. Manchmal denke ich jedoch, wir Menschen verlassen uns zu sehr auf Gesetzgebung und Obrigkeit, nach dem Motto "Die werdens schon richten!". Nein, sage ich, es gibt Lebensbereiche und Sphären des Individuums, die vor Allem seiner eigenen Gestaltung und Fürsorge und Entdeckung bedürfen. Jürgen Hobrecht schreibt aus der sehr subjektiven Sicht eines Betroffenen. °°° Das Buch ist 36 jahre alt, aber immer noch lesenswert. °°°
                                                                                                                          °° RS °°

Samstag, 5. Dezember 2015

Ernst Toller - Eine Jugend in Deutschland


Ernst Toller (1893-1939) war ein jüdischer Dichter, Politiker, Revolutionär, der sich als junger Mann der Arbeiterbewegung anschloß und mit Kommunisten wie auch Anarchisten kooperierte und befreundet war (Erich Mühsam, Gustav Landauer u.a.) ... er war, als er studierte, Schüler von Max Weber, dem deutschen Mitbegründer der Soziologie, der sich politisch von ihm distanzierte, aber persönlich unterstützte, etwa vor Gericht. Toller war, nach der Ermordung Kurt Eisners (1867 - 1919), zeitweilig Vorsitzender der revolutionären USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) Bayerns und nahm als Kommandeur (Bezirk Dachau) an den Kämpfen der Münchner Räterepublik teil, die blutig niedergeschlagen wurde. ** Der Weg Tollers ist erstaunlich, da er eher der Typ "zarter Lyriker" war, äußerst sensibel, zu Depressionen neigend, hochintelligent (selbst-verständlich) - Eigenschaften, die man von einem Rote Armee-Kommandeur nicht unbedingt erwartet. ** Tollers Aufzeichnungen sind sehr literarisiert, stilbewusst ... gepackt hat mich das Buch aber in erster Linie durch den Anhang, wo sehr ausführlich Tollers Persönlichkeit, aber auch die politischen und militärischen Kämpfe der Räterepublik und sein 5-jähriger Gefängnisaufenthalt behandelt werden. ** Toller war ein Held, ein tragischer Held, der sich aufopferte und am Ende den extremen Druck im von den Nazis verursachten Exil nicht mehr aushielt und in New York Suizid beging. Toller war ein Idealist. Sein beispielhaftes Leben gibt mir einiges zu denken --- 
--- Ein empfehlenswertes Buch zum Verschenken ...! (Weihnachten!) --- 
                                                                                                                                             *RS*

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Henryk M Broder "Das ist ja irre"

Vor Kurzem erschien ein neues Buch von Henryk M Broder: "Das ist ja irre!" - ::: "Mein Tag ist gerettet", denke ich, und phantasiere Dichter-Lorbeeren quer durch Broders noch ungelesene Tagebuchaufzeichnungen. Ich regte mich in den letzten Wochen so über einige Politiker und andere Menschen auf, daß ich den Schriftsteller, den ich nie live sah, als  Bundesgenossen betrachte. Endlich bringt einer COOL rüber, was in diesem Land an Irrsinn passiert - Irrsinn, der als normal über die Bühne geht.  Dieser Broder, der sein Handwerk u.a. als Journalist lernte, versteht es, Spannung aufzubauen, ziemlich unaufgeregt, und Lunten zu legen. Und die Bömbchen gehen satzweise hoch. Und man hat zu lachen - obwohl sein Thema ernst ist. Und auch mit Moral zu tun hat. "Es geht um eine Gesellschaft, die sich so radikal selbst kastriert hat, dass ihr jeder Narr und jede Närrin  einreden kann, zwei mal zwei müsse nicht unbedingt vier, es könne auch mal fünf oder dreieinhalb sein - je nach den Umständen ..." Mich interessiert, wie deutsche Bürgerinnen und Bürger sich selbst beschneiden und verbiegen und verkorksen. Ich bin auf diesem Gebiet nicht unerfahren - immerhin durchlitt ich als Junge eine strenge katholische Erziehung. Der Unterschied zu heute: Es gibt keine Schläge mehr, kaum noch Strenge - und trotzdem traut sich kaum noch jemand den Mund aufzumachen und laut zu werden. ***  Das Hauptthema der Aufzeichnungen ist die Asylantenflut - und wie unsere deutschen Politiker, allen voran Frau Merkel, Außenminister Steinmeier und der Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz damit umgehen. Vielleicht haben wir die Politiker, die wir verdienen - aber das schließt nicht aus, sie aus der Distanz und genau zu beobachten und mit Ironie und einer gehörigen Portion Sarkasmus in die Pfanne zu hauen. "Das ist ja irre!" ist journalistisches Kabarett. Törnt mich an. Der Autor ist unbestechlich, sein Stil schlicht. Er schreibt nicht, um als Literat zu punkten, sondern um seine Ansichten und Gedanken pointiert auf eine möglichst breite Leserschaft loszulassen. Broder schreibt kritisch und hämisch - ungerecht wirkt er nicht auf mich. Trotz der ganzen Scheisse in diesem Land hat er seinen Humor nicht verloren. Im Gegenteil. Man kann ihm dabei zusehen, wie er Humor entwickelt. Das ist unterhaltsam. 
                                 *RS*       

Montag, 21. September 2015

Achtung, Lesen gefährdet Ihre Dummheit!

Das Werk des Grafikers, Lyrikers, Karikaturisten F.W. Bernstein erschien bereits 1996. Seine Aktualität hat es nicht eingebüsst. Im Gegenteil. Mit der Weiterentwicklung unserer elektronischen Medien hat die Bereitschaft, ja Fähigkeit zum Lesen in umgekehrt reziproker Weise abgenommen. Für viele Bürger wirkt ein Text mittlerweile als Zumutung --- Und unser Staat? Nutzt die zunehmende Abwehr gegen anspruchsvolle Kultur, um unliebsamne Bücher zu vernichten - weil darin noch Worte verwendet werden, die nicht mehr unserer political correctness entsprechen - siehe mein Blog vom http://raimundsamsonkreativ.blogspot.de/2015/09/deutsche-buchervernichtung-2015.html
Das im Haffmanns Verlag erschienene Büchlein von F.W. Bernstein -in sympathischen Mini-Format- wendet sich übrigens nicht an Akademiker oder Angehörige bestimmter politischer Gruppen, sondern an jeden Menschen mit einem Rest-Minimum an neugier und Verstand. Er muß noch nicht einmal die deutsche Sprache beherrschen. Es werden mehr als 100 Dichter und Schriftsteller porträtiert bzw. karikiert, auf unterhaltsame und intelligente Art. Der Künstler-Porträtist beherrscht eine Bandbreite von Stilarten. 
So ein Büchlein -dessen Größe umgekehrt proportional zum Inhalt steht- läßt sich gut verschenken! ...    *RS* 

 

Dienstag, 4. August 2015

Franz Kromka "Markt und Moral"

Das vorliegende Buch "Markt und Moral" erschien 2008 im Lichtschlag-Buchverlag und trägt den Untertitel "Neuentdeckung der Gründerväter". Es geht um die Marktwirtschaft, unsere nämlich, in der BRD, die von ihren Verfechtern den Beinamen "freie" bekam. Franz Kromka ist Soziologie-Professor und arbeitete oder arbeitet-lehrt immer noch (69 oder 70 Jahre alt) an der Universität Hohenheim-Stuttgart. Ich bekam das Buch als Dreingabe auf mein Abo der Zeitschrift "eigentümlich frei" geschenkt. Auf dem Cover des Buches ist Ludwig Erhard (1897-1977) abgebildet, Wirtschafts-
wissenschaftler und Wirtschaftsminister von 1949-63. Als Nicht-Fachmann habe ich das Buch mit Staunen, Neugier und Interesse gelesen. Zwischendurch kam einmal etwas Langeweile, aber nur über ein paar Seiten. Wer wirklich wissen möchte, was freie Marktwirtschaft in der BRD bedeutet... oder bedeuten könnte... wer keine Scheuklappen hat oder selbige loswerden will bezüglich konservativer Meinungen und Lebenshaltungen ---was ist "konservativ"?? Eine selten gewordene Geisteskrankheit? Eine Säule der Konserven-Industrie? Ein vom Bildungs-Ministerium eingerichtetes Reservat, fein und so klein, daß es regelmäßig übersehen wird?--- wer sich mithin über etwas informieren möchte, über das gemeinhin vor allem Gerüchte existieren, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Zu den Gründervätern der Marktwirtschaft zählt Kromka neben Ludwig Erhard u.a. Wilhelm Röpke, Alexander Rüstow, Alfred Müller-Armack, Friedrich A. von Hayek, Walter Eucken, die immer wieder zitiert werden. Von diesen Herren habe ich, wissentlich zumindest, noch nie etwas gelesen. Ich betrete mit diesem Buch also ein Gebiet, auf dem ich mich kaum auskenne - erfreulicherweise ist der Boden, über den ich gehe, sind die Ecken, die ich betrete, Ecken und Hecken, sorgsam gepflegt. Mit anderen Wortren: Das Buch ist gut verständlich geschrieben. Ich brauche nicht Ökonomie- oder Soziologie-Fachmann zu sein, um den Darlegungen folgen zu können. Es werden auch Autoren genannt, die mir, jedoch nicht als Ökonomen, bekannt sind, wie zB Karl Popper, Arnold Gehlen. Auch Schelsky wird erwähnt. Zu den Fundamenten der freien Marktwirtschaft nach dem Kriege zählte in Deutschland auch das katholische Subsidiaritäts-Prinzip, dem gegenüber ich mich als Heranwachsender verschloß, rein aus Trotz, und aus Mißtrauen gegenüber allem Katholischen - das mich aber heute interessiert. ** Ich denke, dieses Buch ist mit Emapthie geschrieben - mit Einfühlungsvermögen gegenüber Lesern, die nicht unbedingt studierte Fachleute sind. Kromka gelingt es, meine ich, hoch-komplizierte Sachverhalte und Entwicklungsprozesse gut verständlich und nachvollziehbar zu erklären - ohne Fakten und Zusammenhänge zu beschneiden oder gar zu verstümmeln. Man sollte sich ein wenig Zeit nehmen, um in die Materie einzusteigen. Ich stimme dem Autor längst nicht in Allem zu, größtenteils aus Unwissen bzw. einem bestenfalls laienhaften Verständnis von Marktwirtschaft, teilweise auch, weil ich "es" besser zu wissen glaube: Die scharfe Ablehnung Kromkas der Lehre von Siegmund Freud etwa. ABER: Insgesamt fühle ich mich sehr gut informiert. Weil Kromka auch die Stufen und Leitern bzw. Brücken zeigt, über die man zu seinen Thesen, Einsichten, zu seiner Haltung gelangen kann. Ich meine damit die von ihm erwähnten Wissenschaftler und Philosophen. Voll einverstanden, ohne Abstriche, bin ich mit Franz Kromkas Haltung bezüglich der Verantwortlichkeit, die jeder Mensch übernehmen sollte. Und die auch eine Erziehungs-Aufgabe ist.   244 Seiten, Lichtschlag-Buchverlag    
                                                                                                                                             *RS* 

       

Montag, 29. Juni 2015

Noam Chomsky "Profit over people"

Das Buch trägt den Untertitel "Neoliberalismus und globale Weltordnung". Es wurde 1999 in den USA veröffentlicht und erschien ein Jahr später in Deutschland. Mir liegt die 8. Auflage vom März 2003 vor. ** Jahrzehntelang machte ich bei der Zeitungslektüre und anderen Medien-Berichten einen Riesenbogen um den "Wirtschaftsteil", bin auf diesem Gebiet also eine Art Analfabet. Da ich in den vergangenen Jahren jedoch Opfer von MOBBING-Maßnahmen gegen mich wurde, und zwar an meinem Arbeitsplatz, liegt es nahe, mich mit dem zu beschäftigen, was mich zum Opfer machte. Hier interessieren jetzt nicht psychologische Motive meiner Gegner, sondern ökonomische Faktoren. Wie kommt es, daß ich - WIR - immer mehr zu austauschbaren "Größen" auf dem Arbeitsmarkt werden, von mit unzähligen Eigenschaften ausgestatteten Menschen zu "Dingen" und "Sachen" reduziert werden, die mehr Ähnlichkeit mit Robotern haben als mit homo sapiens? Zweifellos spielen hier nicht gegen mich persönlich gerichtete Motive die Haupt-Rolle, sondern gewaltige Verschiebungen im gesellschaftlichen Gefüge, in denen ich nur ein winziges Rädchen bin - ein Rädchen das funktioniert - oder nicht mehr funktioniert oder nicht mehr funktionieren will. ** Chomsky, berühmt für seine fundierten Analysen und kritischen Beschreibungen us-amerikanischer gesellschaftlicher Zustände, hat auch mit diesem Buch zuallererst sein eigenes Land im Visier - damit untrennbar aber auch nahezu den gesamten Globus, denn die Wirtschaftsmacht USA nimmt - verbunden mit Militär und Außenpolitik- seit vielen Jahrzehnten massiv Einfluß auf die Ökonomie praktisch aller Länder, die zu beeinflussen sie in der Lage ist. Chomsky hat, im Unterschied zu mir, auch Wirtschafts-Theoretiker bzw. Soziologen und Philosophen wie Adam Smith, Karl Polanyi, John Dewey, Madison u.a. gelesen bzw. studiert, d.h. er hat ein äußerst komplexes Verständnis von ökonomischen und gesellschaftlichen Prozessen. U.a. geht er eingehend auf die Repressionspolitik der USA gegen Kuba ein, die mit rücksichtsloser Härte durchgeführt wurde - aber die Methoden waren nicht neu. Protektionismus bedeutet, zum Schutz der eigenen Produktion Maßnahmen zu ergreifen wie zB Erhebung von Zöllen auf konkurrierende Produkte aus dem Ausland. Darin waren und sind die USA sehr groß. Chomsky zeigt, wie Maßnahmen, ja ganze Feldzüge der USA unter dem Deckmantel der "Demokratisierung" bestimmter Länder durchgezogen werden. Dabei geht es vorrangig um wirtschaftlichen Profit und Machtzuwachs der USA, und zunächst profitieren immer nur eine verhältnismäßig kleine Schicht von privilegierten Menschen in den jeweiligen Ländern - und die USA selber als Investoren. Ein besonders krasses Beispiel stellt Haiti dar. ** Ich bin hin und her gerissen, wie in meinen Blogs mitunter auch für den Leser erkennbar sein dürfte. Einerseits versuche ich mich seit einigen Jahren mit unserem kapitalistischen System anzufreunden und argumentiere dabei, daß dieser Kapitalismus Nischen zulasse, die meinesgleichen nutzen können, also Künstler, Arbeitslose, Vertreter des "Lumpenproletariats" u.ä. --- Andererseits ist nicht zu übersehen, daß die Reichen immer reicher werden und die Armen arm bleiben - allen schönen Worten unserer Politiker zum Trotz. Die berühmte "Schere zwischen arm und reich" klafft immer weiter auseinander; ich erlebe dies in Hamburg krass und teilweise am eigenen Leib.
Ich las das Buch "Profit over people" (in deutsch) von der ersten bis zur letzten Seite und habe nicht alles komplett begriffen. ABER: ich weiß, daß ich diesem Autor vertrauen kann. Er will weder mir noch sonst jemandem ein X für ein U vormachen. Chomsky weiß so gut wie jeder intelligent Mensch, daß Kritik nicht automatisch Änderung von Mißständen nach sich zieht. Immerhin: Er weist unnach-giebig auf Mißstände hin - die zu erkennen nicht einfach ist, da die USA als strategische Weltmacht auch stets ihre Ziele zu verschleiern wissen - d.h. mir - uns - Ihnen oft ein X für ein U vormachen. *
                                                                                                       *RS*           

Mittwoch, 1. April 2015

Udo Ulfkotte - Gekaufte Journalisten



Udo Ulfkotte ist weder Nazi noch Neonazi, aber er wagt den Affront mit unseren Mainstream-Medien, besonders "Süddeutsche Zeitung", "FAZ", "ZEIT". Ist es möglich, in unmittelbarer Nähe zu den Eliten (führenden in- und ausländischen Politikern, Großinvestoren etc.) sein journalistisches Handwerk so unabhängig zu führen, wie es sein sollte und dem Berufs-Ethos entspräche? Ulfkotte behauptet, daß es nicht oder nur in Ausnahmefällen möglich sei, sich nicht korrumpieren zu lassen. Als negatives Beispiel führt er sich selber an - er war viele Jahre für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) tätig, und dabei -wie die Kollegen- in einer herausgegebenen, privilegierten Position. * Das Buch enthält viele Beschreibungen der Korrumpiertheit unserer Mainstream-Medien sowie hunderte von Namen und deckt, in größtmöglicher Transparenz, die Quellen auf, aus denen sich  die Erzählungen und Beschreibungen des Buches speisen. "Gekaufte Journalisten" steht im besten Sinn unter dem Motto "Gegen-Öffentlichkeit", einem Schlagwort, das in den 70-er Jahren von der radikalen Linken in Umlauf gebracht wurde.   *RS*  

Freitag, 9. Januar 2015

Alain de Benoist - Mein Leben

                          
Mit wenigen Worten wiedergeben, was auf 400 Seiten dargestellt - geht das? De Benoist gilt als "Rechter", als eine Art Vordenker der französischen "Rechten"; aber ich erwähne in diesem Zusam-menhang, daß er sich seit Jahrzehnten immer auch mit "linken" Theoretikern, Tendenzen, Schrift-stellern, Dogmen usw. befaßt hat und auch auf diesem Gebiet firm ist; firmer dh kompetenter als vermutlich viele Linke selber. Es geht um Lesen und Verstehen. Ideologisch verstehen, psycho-logisch, soziologisch, lingual. Im Unterschied zu einem Lesen, bei dem man sich berauscht wie an einer Droge. * Lesen als Dialog des Lesenden mit dem Autor. Diesbezüglich habe ich ein sehr freundliches Gegenüber. Ein Mensch mit äußerst umfangreichem, sozusagen enzyklopädischem Wissen, das noch längst nicht abgeschlossen ist. Was sind auch schon 71 Jahre?            *RS*

Dienstag, 16. Dezember 2014

Dein Buch in meiner Hand: Akif Pirincci

                           
Der türkischstämmige Erfolgs-Autor AKIF PIRINCCI hat nachgelegt: Auf seinen literarischen Amoklauf folgte nun die "Aufarbeitung, Analyse, Presseschau auf das furiose "Deutschland von Sinnen". Das neue Werk Attacke auf den mainstream" ist nicht überbordend vor Emotion, keine wildgewordene, sondern eher eine flotte, ihre Kräfte (und dazu zählt nicht nur der Autor A.P., sondern auch Blätter wie "eigentümlich frei" und JUNGE FREIHEIT  u.a.) einteilende Lokomotive. Lokomotive auf Expeditionsfahrt, denn was hier versucht wird, ist neu. Ein Versuch, ein radikaler Ansatz. Der korrumpierten, moralinsauren, intellektuell einseitigen und extrem linkslastigen deutschen Medienlandschaft ein anderes Gewächs einpflanzen. 
                                                                                                                *RS*