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Donnerstag, 26. Februar 2026

ALLES WIRD SCHÖN - Galerie

In Hamburg-Heimfeld gibt es die Galerie  "ALLES WIRD SCHÖN" in der Friedrich Naumann Str.27.  Ich stelle dort vom 14.-28.2. rund 40 Blder aus: Zwei ca. 1,20x0,95 m große Acryl-Blder sowie 39 rundforma-

tige Bilder, Duchmesser 28 cm. Die beiden Großformate entstanden vor ca. 16 Jahren,  °°° Die runden Blder entstanden in den letzten Monaten.  Ein Herr knallte mir einen -abgelaufenen- Jahreskalender auf den Tisch und fragte mich, ob ich damit "etwas anfangen" könne. Bereits nach wenigen Sekunden wusste ich damit etwas anzufangen. Es handelte sich um die Wiedergabe von Parolen wie "diversity", "Demokra-tie leben" u.a., die mittels Beamer auf Gebäude in Harburg projiziert worden waren. 

Die dazugehörigen Namen: DOMENIKA -weltberühmte Sexual-Arbeiterin aus Hamburg. ich begegnete ihr einmal in der Langen Reihe und grüßte "Hallo Domenika!". Sie schenkte mir ein Lächeln. Noch berühmter als Domenika ist JOSEF BEUYS. Ca. 1981 war ich einer der Mitbegründer der Freien Kunstschule Hamburg, an die auch das BEUYS-Projekt FIU angebunden war. "Jeder Mensch ist ein Künstler".  Ich war der erste "1. Vorsitzende" des Freie-Kunstschule-Vereins. Nach einem Jahr trat ich von meinem Posten zurück und aus dem Verein aus. Zur ersten großen Jahresausstellug war ich nicht eingezogen. Danke, ihr "Jeder ist ein Künstler" - Nachbeterinnen.  ° Der dritte in der Reihe ist Rosa von Praunheim, dessen Flm-Buch "ROTE LIEBE" ich vor knapp 20 Jahren neu herausgab. ...
Dieter Bohlens Musik mag ich nicht, aber ich habe großen Respekt vor ihm als DSDS-Juror. Er haute ein paar Kandidaten, die sich für ein Millonen-Publikum produzierten, vor laufender Kamera in die Pfanne. Es st schon ein paar Jahre her. Mir gefiel das, weil D.B. Charakter zeigte. °° Mutter Theresa ist in gewisser Weise das Gegenteil von Domenika. M.T. hat ein Menge für andere Menschen getan, unter Verzicht auf eigene Sexualität. Mein großer Respekt. ° Fernando Arrabal, der in diesem Jahr 94 wird, ist u.a. Autor des Buchs "Riten und Feste der Konfusion". Ich verehre den Dichter, Dramatiker, Filme-macher... 
Helga Goetze Sophia, meine Weggefährtin, mehr als 30 Jahre lang. Hauptdarstellerin in Rosa von Praunheims "ROTE LIEBE". °° H.C.Artmann, verehrter Dichter. Lebt in meinen Erinnerungen und Ge-danken weiter. °° Captain Beefheart alias Don Van Vliet. Musiker: von Blues über Experimental bis Pop, umwerfend stark, Koop u.a. mit Frank Zappa; auch ein großer Maler ... Auch er lebt in meiner Erinnerung weiter ...
Petr Kropotkin, russischer Anarchist und Theoretiker, 1
842-1921, "Die Eroberung des Brotes"; noch mal Cpt. Beefheart...; & Inge Viett, Terroristin, "Bewegung 2. Juni", von mir bewundert, da sie zweimal aus einem deutschen Gefängnis ausbrach; wir standen kurzzeitig in Briefkontakt; irgendwann antwortete Inge nicht mehr.
Bertrand Russell engl. Philosoph, Schriftsteller; sehr gute Aufsätze über Anarchismus, Sozialismus, Anarcho-Syndikalismus; Franco Basaglia, it. Psychiater, viele Jahre Antipsychiatrie-Aktivist; Oswald Wiener, Autor des legendären Buches "Die Verbsserung von Mitteleuropa - Roman"; eines meiner ab-soluten Künstler-Idole; im Habibi-Atelier hängen 2 großformatige Bilder, auf denen ich u.a. ihn zeige;  Weitere Rundstücke mit Bildern von Künstler-innen, Philosophen usw. in der ALLES WIRD SCHÖN-Galerie: Johnny Moped; Charls Bukowski; Florence Nightingale; RaiSon; Ray Davies; Salvatore Puig Antich; Hans-Joachim Klein;  R.W.Fassbinder; Bakunin; Erick Mühsam; Otto Muehl; Emma Goldmann; Alfred Brendel; Alfred Jarry; Salvador Dali; Sigurd Debus; Dieter Rot; Steve Marriott; Ronnie Lane; Wilhelm Reich; Sarah Wagenkncht; George Aurich; Jango Edwards; & nicht zu vergessen TOM SEIDEL, Kunstmaler, Kirchenorganist, Klavierspieler ... der entscheidend dazu Beitrug, daß Vernissage und Lesung erfolgreiche Abende waren. 
Mein DANK an alle Beteiligten!    

                                                                         Raimund Samson                                                        

         

                                                                  






Freitag, 2. Oktober 2015

Kikeriki - Rückblick auf eine Kommune

Eine alte Freundin schenkte mir einen Packen vergilbender Zeitungen. KIKERIKI heißt das Blatt. Es  war 1983 eine Art Zentral-Organ einer Kommune-Organisation, die in den 70-er Jahren unter dem Namen AAO (AktionsAnalytische Organisation) von sich reden machte. Am Friedrichshof, im österreichischen Burgenland in der Nähe des Neusiedler Sees, war das Zentrum. In seinen besten Zeiten lebten an die 1000 Frauen und Männer in einer der Kommune-Dependancen in Wien, Friedrichshof, Zürich, Berlin, Düsseldorf, München, Nürnberg, Hamburg, Paris, Toulouse etcetc. Leiter war der skandalumwitterte Aktionskünstler Otto Mühl. Die Kommune rief - und alle, fast alle kamen. Ob Udo Lindenberg, Josef Beuys, Dieter Rot, Nam June Paik - viele weltbekannte Show-Stars und Kreative reisten zum Friedrichshof, um 1 bisserl "alternative" Kommuneluft zu schnuppern. Etliche Filme wurden gedreht. In der Kommune lebten äußerst clevere  Menschen, die zur Not auch den einen oder anderen Trick anwandten, um in den Besitz von Kunst-Originalwerken zu gelangen. So erzählte mir Dieter Rot 1988, daß er am Friedrichshof bei einem Film mitspielte, in dem er u.a. malte. Er nannte sich in dem Streifen Kiesellack und signierte auch mit dem Namen. Als er bei seiner Abreise das Bild mitnehmen wollte, machte ihm der Kommunarde Theo Altenberg, für Künstler-Kontakte zuständig, klar, daß sein Bild jetzt Film-Requisite sei - und der Film gehöre dem Friedrichshof. Und damit auch die Requisite. Alles klar!! Was mag das Bild heute wert sein? 10.000 €uro? Ein Dieter Rot-Werk, das mit "Kisellack" signiert ist, ist schon etwas Besonderes. ** Vielleicht fragen Sie sich, liebe Leser, wie ich dazu komme, diesen nicht aktuellen Beitrag zu posten. Der Grund ist: Ich machte auch mal bei dieser Kommune mit. Insgesamt anderthalb Jahre. Zog allerdings im Frühjahr 1982 wieder aus. ** Manchmal forsche ich im Internet, um herauszufinden, was aus den alten Führungs-Kadern der Kommune geworden ist. Otto Mühl starb, schwer parkinson-krank, 2013. ** Von Herbert Stumpfl  fand ich im Internet ein Interview, das allerdings schon wieder etliche Jahre zurückliegt. Es ist ein Gespräch, das Stumpfl reichlich Gelegenheit gibt, sich in "positivem" Licht zu präsentieren. Stumpfl gehörte zu jenen Hierarchie-Oberen, deren Überlegenheit sich nur in Lichtjahren ausdrücken läßt. Wir redeten nicht viel miteinander, vorsichtig ausgedrückt, vielleicht 3 oder 4 Sätze in anderthalb Jahren. "Bist eh a Homosexueller" meinte er mal cool und wie beiläufig zu mir. Den Satz hab ich mir gemerkt. Vor allem die Coolness. "Eh". Weißtebescheid, wa. Herbert Stumpfl gehört zu jener Sorte Menschenkenner, die eine Person nur eine Sekunde sehen müssen, um sie bis in den letzten Winkel ihrer Seele zu durchschauen. Von dieser Sorte Menschenkenner gab es etliche im Kommune-Imperium. Und obwohl ich dort auch gute Erfahrungen machte, war ich froh, Anfang Mai 1982 meine Restsachen zusammen zu packen. Ich machte mich auf die Suche nach Menschen, Freunden, die nicht alles sofort immer besser wissen. Herbert Stumpfl betont in besagtem Interview, daß er von der "Kritischen Theorie" her komme. Der Witz ist gut. Herbert Stumpfl hat Humor. Das hätte ich fast vergessen. ***  KIKERIKI ... auch wenn das Kommune-Projekt Anfang der 90-er Jahre auseinanderbrach, nachdem Otto Mühl zu 6 oder 7 Jahren Gefängnis verurteilt wurde wegen Unzucht mit Minderjährigen u.ä. --- die AAO war einer der größten, am breitesten angelegten Versuche in Mitteleuropa, die bürgerliche Gesellschaft mit ihren Werten und Normen aus den Angeln zu heben. * Danke Ulla, für die Hefte.
                                                                                                                                  *RS*
 

Samstag, 8. Juni 2013

Robert Fleck über die Mühl-Kommune

Robert Fleck, ehem. Chef der Hamburger Deichtorhallen, lebte nie in der Kommune des Aktionisten Otto Mühl, hatte als Jugendlicher aber Kontakt zu der Gemeinschaft. In "DIE MÜHL-KOMMUNE", Freie Sexualität und Aktionismus. Geschichte eines Experiments" liegt der Schwerpunkt bei der Be-schreibung der frühen Phase (ab 1972) sowie in der Untersuchung der künstlerischen Bedeutung Mühls und seines Kommune-Projektes. Die Basis des einen intellektuellen Standpunkt einnehmenden Buchs sind eigene Erlebnisse sowie Recherchen, bei denen der Autor ehemalige Mitglieder der aao (= aktions-analytische aktion) - Führungsetage befragte. Flecks Ansatz ist kunst-historisch, weniger kritisch-moralisch. Ich finde ziemlich genaue Beschreibungen jener Situation, als Mühl mit anderen WIENER AKTIONISTEN wie Brus und Nitsch und Leuten wie Weibel, Frohner, Wiener u.a. kooperierte, mit der Gründung der Kommune dann aber einen Bruch vollzog, um die Ideen des Aktionismus ins "reale Leben' zu überführen. Fleck verwendet für seine Beschreibung keine Pseudonyme, sondern benennt, soweit ich es überschauen kann, alle Beteiligten mit ihren realen Namen. Er erinnert an jene Phasen der Kommune-Geschichte, in denen selbige für riesiges Aufsehen sorgte, als sie gegen die herrschenden Moral- und Verhaltensnormen agierte und nicht nur Ablehnung durch die Gesellschaft, sondern auch die Eifersucht vieler Linker heraufbeschwor, die ebenfalls auf den Umsturz dieser Gesellschaft hin-arbeitete, aber einseitig auf Veränderung ökonomischer Strukturen setzte und die Hierarchie der Mühl-Kommune strikt ablehnte. * Fleck beschreibt einen Besuch Oswald Wieners, eines ehemaligen Mit-streiters Mühls, in der Berliner Filiale der Kommune. Der Mann "ist in den Feldern Philosophie, Kybernetik, Wahrnehmungstheorie, Psychoanalyse und Kunst überaus bewandert" und versuchte Mühl nachzuweisen, "daß er die Psychoanalyse ebenso mißverstehe wie die Idee der freien Gesell-schaft und daß er den gleichen Fehlschuß begehe wie im "Wiener Aktionismus" der sechziger Jahre, nämlich den Wirklichkeitsbegriff zu überschätzen. Eine unmittelbare Realität schaffen zu wollen, könne nur ein faschistisches Gebilde ergeben". Mühl, der zum Zeitpunkt des Besuchs Wieners gerade in Berlin weilte, nutzte die Gelegenheit, um den ihm an intellektuellem Format überlegenen O.Wiener vorzuführen (interpretiere ich). Wiener ging nach diesem Schockerlebnis auf Distanz zur Kommune, äußerte sich später jedoch noch einmal sachlich, ohne Rachegedanken, über Mühl, den er als "unfaßbar" locker und ihm persönlich sympathisch beschreibt und dem er, als einzigem der Aktionisten, Humor attestiert. ** Fleck zitiert  aus dem Tagebuch einer aao-Führungsfrau, dann geht er weiter mit der Beschreibung von Schwerpunkten der inneren Organisation. Die Kommune war nicht nur erfolgreich durch ständiges Wachsen, sondern es gelang ihr auch, wichtige Kontakte zur Kunst-Szene zu knüpfen, etwa zu Josef Beuys. Gleichzeitig machte die Linke mobil, versuchte Veranstaltungen der aao zumindest zu stören. In dem Kapitel "Beuys ohne Hut"  wird ausführlich ein Besuch  am Friedrichshof beschrieben. Beuys nimmt nicht nur am Selbstdarstellungs-Abend teil und tanzt einen Reigen mit den Kindern. Fleck weist darauf hin, daß der Besuch als bis in Details geplante Inszenierung durchgeführt wurde: In Sachen PR war die Kommune von Anfang an clever. Sie verstand es auch, Künstler vor ihren karren zu spannen.
Dieter Rot erzählte mir von seinem Besuch am Friedrichshof. Er spielte dort u.a. in einem Film mit. Darin stellte er einen Maler namens "Kiesellack" dar. In dieser Rolle malte er auch. Zum Ende seines Besuchs wollte er diese Bilder mitnehmen, was ihm aber verweigert wurde. Da er sie mit "Kiesellack" signiert hatte, seien sie nun Teil der Requisite und gehörten der Kommune. Auf diese Weise gelangte die Kommune, u.a. dank des Mühl-Schülers Theo Altenberg, in den Besitz zumindest eines Werks des weltberühmten Dieter Rot, ohne einen Schilling zu bezahlen. Ob Rot das bzw. die Werke irgendwann zurück bekam, weiß ich nicht. Zweifellos wäre es naiv, Mühl allein die Schuld für derartige Trickse-reien zuzuschieben. *** Ansatzweise beschreibt Fleck "Unregelmäßigkeiten" bzw. Cleverness der Kommune bei der Beschaffung öffentlicher Gelder. So soll allein die Berliner Filiale 1,5 Millionen DM an Senatsgeldern bezogen haben. Während der späteren Prozesse gegen Mühl u.a. wegen sexuellen Mißbrauchs u.a. sollen Millionen an Schweigegeldern geflossen sein. Über diese Dinge erfahre ich jedoch nichts durch Flecks Buch, sondern weiß sie aus Zeitungsartikeln. --- 255 Seiten, Verlag der Buchhandlung Walter König ...  

                                                                           *RS*