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Dienstag, 14. Juli 2015

R.I.P. Gerhard Zwerenz

Der Schriftsteller Gerhard Zwerenz starb im Alter von knapp über 90 Jahren nach einer längeren Krankheit.
Zwerenz war für mich so etwas wie eine Leitfigur. So war ich sofort gegen Fritz Raddatz eingenommen, als Zwerenz sich mal äußerst abfällig über den Literaten und Kritiker Raddatz äußerte. Das war in den 80-er Jahren. 
Vor 10 Jahren hatte ich eine Phase, in der ich mehrere Romane des Schriftstellers las, u.a. "Kopf und Bauch" - über einen "Arbeiter, der unter die Intellektuellen fiel". Oder las ich über dieses Buch? Ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls war Zwerenz für mich eine Leitfigur. Ein linker Schriftsteller, der bei aller Kritik gegenüber unserem Gesellschafts-System Wert auf Unterhaltung lebte.
Irgendwie sehr prägnant der Mann. 
Er schrieb auch pornografische Texte. Was ich seinerzeit als Zeichen für besondere "Fortschritt-lichkeit" ansah. Seit sich Pornos inflationär verbreiten, habe ich eine ander Einstellung.
Mit Zwerenz starb einer der alten Garde, der sich kein X für ein U vormachen ließ. 
                                                                                                                                                  *RS*
                                    

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Meine Damen und Herren: SEX





Die Generalprobe zur Wiederaufführung von „SEX“ fand im Probenraum der Schauspiel-Truppe „Meine Damen und Herren“ im Bunker an der Feldstraße statt. Vier sogenannte „behinderte“ Schauspieler (3 Männer, eine Frau) und drei „nicht-behinderte“ Akteure (3 Frauen) gestalteten ein Potpourri aus streng formalisiertem Sprech- und auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Agierenden zugeschnittenes Therapie- + Fun-Theater. Es gab an diesem Mittag diese beiden Aspekte von Sexu-alität: Texte, die an Drastik nichts zu wünschen übrig ließen, vom „schlecken“, „lecken“, „ficken“ , eine Mischung aus Brecht-Lyrik und Pornografie ... – und Sex von der eher problematischen Seite, wo eben doch Hemmungen, Unsicherheit, Unvermögen, „Frigidität“ und was sonst zum Kanon dazu gehört, dargestellt wurden. Mit Intensität, Herzblut und Spaß gespielt. Eine (nicht nur mich) entzückende Darbietung. Es dürfte eine Menge Ausprobieren, Geduld und Empathie gekostet haben, die Spiel-Ideen bis zu den hier dargestellten Szenen zu entwickeln. * Ich würde das Stück zum Pflichtprogramm für Hamburger Oberstufen-Klassen machen. Es bietet Lektionen in mehrerlei Hin-sicht. U.a. böte es originelle und vitale Alternativen zu den s-teifen und drögen Lern-programmen für hanseatische Teens und Twens sowie zum inflationären TV-Rummel mit seiner Kitsch-Romantik. meint  * der Blogger *