Mein Tip für einige
Autoren des Buchs „Eine starke Insel
mitten in der Stadt“: Organisiert eine Lese-Tournee. GEGEN Rechts, PRO
Links, PRO ZUKUNFT. Tretet als Gruppe auf.
Wie wär’s mit dem Namen Guh-Te-Ong-Kelz ?! Das
wäre, in An- nein: ABlehnung der berüchtigten Rechts-Rock-Gruppe 1. ein „Zeichen gegen Rechts“. 2. Klingt es
ostasiatisch, also multikulti. 3. Der Elb-Insel wären nicht nur Zukunft und
Stärke, sondern auch ein unverwechselbares Quartett garantiert. * Ich möchte
begründen, weshalb ich diese 4 Herren für geeignet halte, als Guh-Te-Ong-Kelz aufzutreten und für die Zukunft, die Elb-Insel und sich
selber Reklame zu machen. a) Manuel „Manni“ Humburg: Er
ist ein großer Stratege. Und Taktiker. Ganz ganz wichtige Eigenschaften. Er ist
auch manchmal kritisch. Nur: letztes Jahr die Verleihung der „Goldenen Axt“ im Bürgerhaus,
das ging echt zu weit. So zornig, ja empört hatte ich „Manni“ noch nie gesehen. Also, liebe Protestierer, beim nächsten mal bitte Manuel Humburg vorher fragen! b) Hildebrand „Hille“ Henatsch. Er ist Nikolaus,
ev. Pastor und SPD-Mann in Einem. Er tanzt halt gerne auf mehreren
Hochzeiten. Gleichzeitig. Der Mann ist so „säkularisiert“, daß seine ursprünglich „religiöse“ "christliche" Botschaft identisch ist mit SPD-Politik. Ganz ganz wichtig! c) Michael „Michi“ Rotschuh. Michi ist der True-ba-Dur
der Guh ten Ong kelz. Er saß mal neben mir im Heimat-Museum und meinte: „Man braucht Geduld“. Er wollte wohl
noch mehr sagen, aber ich war in ein Gespräch mit zwei Damen vertieft. Nach
drei Minuten (oder fünf?) stand Michi auf und ging, ohne noch etwas zu sagen.
Schade eigentlich, denn ich hätte gerne von ihm gewusst, was er unter „Geduld“
versteht. Ich gebe zu: Sein Text in „Eine
starke Insel mitten in der Stadt“ überzeugt mich nicht. Aber das macht
nichts. Rotschuh ist Akademiker. Davon können wir nicht genug bekommen. Das
haben schon IBA und igs bewiesen mit all den tollen Leuten, die sie von
wer-weiß-wo angekarrt haben. Außerdem hat Michi eine feine, einfühlsame Stimme.
Wenn er dann noch zur Mandoline greift, wird das Herz berührt. Auch wenn das
Instrument nur eine Saite hat. d) Dittmar „Diddi“ Loose.
Während ich die drei zuvor Genannten für VIP’s halte (=very important persons), ist „Diddi“ in meinen Augen
ein VVIP (=veryvery important person). Sie
werden mich fragen, liebe Leserinnen und Leser, weshalb?! Nun: Der Guh-te ist SAGA-Geschäftdführer (I), außerdem
Chef des Vereins „Bildungslandschaft Elb-Inseln e.V.“ (II), Mitglied im
Bürgerbeteiligungs-Gremium der IBA (III) und, seine zweifellos wichtigste
Eigenschaft: Er ist der Mann fürs Grobe, für bestimmte „Grauzonen“, ein
Spezialist für Rechtsfreie Räume. (IV) Bei einem Groß-Projekt des Kunstbüro,
bei dem wir Häuserwände der SAGA nutzten, zwang er uns, kurz vor dem Start des
Projektes, für 200 € einen Strom-Generator zu kaufen. Für das Verlegen von
Elektrokabeln (es mussten Löcher gebohrt werden) standen angeblich keine Hausmeister
zur Verfügung. Dann nötigte mich der Guh-te (nein: Guh-teste), per Protokoll
der Mitglieder-Versammlung und Vereins-Satzung zu beweisen, daß ich 1. Vorsitzender des Kunstbüro-Vereins sei. Erst
dann würde auch er seine Unterschrift unter den zwischen SAGA und Kunstbüro
ausgearbeiteten und von mir bereits gegengezeichneten Vertrag setzen. Er bekam
die entsprechenden Papiere – und verweigerte trotzdem die Unterschrift. Ohne
Begründung. Mehrere Monate später behielt die SAGA acht Wochen lang eine große
Installation (3x2 Meter) des Kunstbüro unter Verschluß. Ohne uns zu informieren. D.h.
nachdem „Diddi“ Loose zunächst einen rechtsfreien Raum schuf, nutzte er diesen auch. Und das finde ich
erwähnenswert. In der Presse ist immer wieder mal die Rede davon, im
Zusammenhang mit der „Roten Flora“, daß „rechtsfreie Räume“ geschaffen werden.
Diesbezüglich schuf der SAGA-Chef von Wilhelmsburg einen Präzedenz-Fall. Davon
können wir alle lernen! Ob Rote Flora, SPD oder Polizei. „Diddi“ gehört zu den Guh-ten Ong-kelz schon allein deshalb. Weitere Gründe: Er ist SPD-Mitglied und Duz-Freund von „Hille“.
Die gehören zusammen! Wenn die anderen evtl. noch gewisse Skrupel haben,
Künstler oder andere schräge Vögel totalzuverarschen
- Didi kennt solche Hemmungen nicht. Und deshalb gehört auch ihm die
Zukunft, klaro!! * Bin schon gespannt, wann die ersten Plakate auftauchen, auf
denen die Guh-ten
Ong-kelz ihre erste Lese- und Gesangs-Tour ankündigen. Viel Spaß! wünscht * Dr. Buhmann *
Kulturjournalismus, in Bildern denken, Gegenöffentlichkeit, Experiment, Schutzengel
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Montag, 15. Oktober 2012
Kreativität trifft Zukunft Elb-Insel (1)
Das Cover
und der Titel gefallen mir. „Eine starke
Insel mitten in der Stadt“ ist ein politisches Buch. Die Herausgeber sehen
in Stärke offenbar etwas Positives. Der reich bebilderte Reader
wurde letzten Monat vom Verein Zukunft
Elbinsel herausgegeben. * Das Buch enthält gut 20 Artikel von diversen
AutorInnen mit einer Vielzahl von Themen, die die jüngere Geschichte der
Elb-Insel betreffen. 218 Seiten müssten eigentlich reichen, um alle
wesentlichen gesellschaftlichen Bereiche des Stadtteils immerhin zu streifen.
Weit gefehlt ... Auf S. 162-165 berichtet Melanie
Klein über Aktivitäten der
„engagierten Wilhelmsburger“. Diese Vereinigung sorgte in den letzten
Jahren immer wieder für Furore mit phantastischen und mutigen Aktionen. Sie
protestierte u.a. gegen die Hafenquerspange,
fehlende Lärm-schutzwände, trat als "Grüne Prostituierte" auf, um auf die Anbiederungstaktik grüner
PolitikerInnen hinzuweisen, zeigte katastrophale
Fehleinschätzungen bei der Gentrifi-zierung durch IBA, igs und Hamburger Senat
auf. Um nur einige der Aktionen zu nennen.* Ein weiteres Highlight in dem Band
ist eine von Jörg von Prodzinski gezogene
Bilanz über die massiven Umwälzungen, von der Parkanlagen, Biotope etc. in
Wilhelmsburg betroffen sind. Von P. weiß als Biologe und Ökologe, wovon er
spricht. Schnörkellos, frech, argu-mentierend auf hohem Niveau, aber auch mit
einer Portion Humor (etwa was den mitt-lerweile legendären „Sprung über die Elbe“ betrifft) deckt er auf, was ihn stört. Da
ist einiges. „IBA und igs – Verlust einer
großen Hoffnung. Oder: die Geschichte einer Spaltung“ heißt seine polemische
Attacke. Der Mann bringt es auf den
Punkt. Er schreibt spannend und unterhaltsam. Er weiß, daß er zu einer winzigen
Minderheit auf der Elb-Insel gehört, zu jeden nämlich, die tatsächlich Änderungen wollen und die sich nicht mit schönen Worten
begnügen. * Und sonst? ... Klaus Lübke „kenne“
ich aus diversen Ztg.-Artikeln und schätze den Mann, obwohl er SPD-Mitglied
ist. Er ist, untypisch für diese „Volks-Partei“, unbequem. Ein
Sympathie-Träger. Einer, der gegen den Strich bürstet. ... + sonst? Viel
Lächeln. Viele lächelnde Gesichter. Jasagende Gesichter. Argumente? Es sind
durchaus Leute darunter, die mir sympathisch
sind, Frauen wie Männer. NA UND? Gehe ich zu LIDL oder ALDI, treffe ich auch
immer nette, sympathische Leute. Die ein Lächeln für mich haben. Spätestens an
der Kasse. * Manuel Humburg spricht
vom „Bürger-Engagement als Motor der
Stadtent-wicklung“. Er ist selber Motor, als Mitbegründer des Vereins „Zukunft Elbinsel Wilhelms-burg“. Und als
solcher entscheidet er, welche AutorInnen zu diesem Reader eingeladen und
welche Themen behandelt werden. Das Buch ist förmlich auf den Mann
zugeschnitten. Er weiß sich selber in den Mittelpunkt zu setzen und taktisch clever echte oder
potentielle Unterstützer einzubeziehen. Manuel „Manni“ Humburg ist der Hugo
Chavez der Elb-Insel. Der venezolanische Politiker verkauft den Liter Benzin
für 1 oder 2 Cent an seine Lands-leute. Auf der Elb-Insel gibts keine
Ölvorkommen, aber dafür jeder Menge Zukunft. Sogar kostenlos! Naja, nicht für
alle, einige ziehen weg, weil die Mieten zu hoch werden, aber ansonsten gibt es
Zukunft satt! Humburgs und die Seiten
anderer Autoren sind überschrie-ben „Aus
der Geschichte lernen“. Schön gesagt – vor allem wenn man selber festlegt, wessen
Geschichte und welche Zeitabschnitte gemeint sind. Auf mehreren Seiten (55-57)
seines Artikels „Zur Entmythologisierung
von Weissbuch und Zukunftskonferenz Wil-helmsburg“ geht er auf die Wahlerfolge
„rechter“ Parteien auf der Elb-Insel ein. Ja, was für ein schlimmer
Schandfleck! Daß viele es wagten, „rechts“ zu wählen. „Entmythologisierung“
klingt schwer intellektuell, fast
wissenschaftlich. Humburg „entmythologisiert“, wie er behauptet. Und strickt gleichzeitig
am eigenen Mythos, der Schelm. Vergeblich suche ich in seinem, aber auch den
anderen Artikeln nach Hinweisen auf die ca. 600 durch igs- und IBA-Maßnahmen
vertriebenen Kleingärtner. Bei so viel bedrucktem Papier hätte man/Frau auch
diesen Menschen ein wenig Aufmerksamkeit schenken können. Mein Verdacht: Unter
den Schrebergärtnern waren etliche Schill-Wähler. Und solche Menschen haben keine Zukunft verdient – oder weshalb
werden sie hier einfach ausgeklammert? Und ich habe noch einen Verdacht, was die großen Wahlerfolge von DVU, Reps und
Schill auf der Elb-Insel betrifft: Gerade auch deshalb wurde Wilhelmsburg von maßgeblichen SPD-, CDU- und
Grünen-Politikern als Experimentierfläche für Gentrifizierungsmaßnahmen ausgewählt.
Als Strafe sozusagen. Neben dem
ökonomischen Kalkül: Wi.burg als Erweiterungsfläche für Hafen etc. - Zurück zu
den Texten: Ich suche (außer in den anfangs erwähnten) nach zündenden Ideen,
Geistesblitzen, richtig schlechten oder
richtig guten=brillanten Artikeln –
und finde nichts. Mittelmaß über
Mittelmaß. Gefälligkeit reiht sich an Gefälligkeit. Wenns irgendwie kritisch wird, wird’s zugleich
staubtrocken und langweilig. Nach dem Motto „Bloß nicht emotionalisieren!“ Der von mir erwähnte Prodzinski ist
fast die einzige Ausnahme. Er schreibt emotional
UND hat auch von der Sache her etwas zu sagen. Michael Rotschuh macht sich gleich auf 15 (fünfzehn!) Seiten breit
über die Hafenspange. Sich selbst beschreibt er als
„Alt-und-bald-Achtundsechziger“. Ist das witzig??? Der W.I.R. (Wil-helmsburger
Insel-Rundblick) wird mit 18 (achtzehn!) Seiten gepusht – und wozu? Seite um
Seite werden in chronologischer Reihenfolge Artikel aus den Jahren 2002 bis
2012 aufgelistet – ohne Abbildung. Die Auflistung zeigt, welche
Autoren und Themen für wichtig gehalten werden, und welche keine weitere
Erwähnung wert sind. Die Mischung aus Selbstbeweihräucherung und redaktioneller
Vetternwirtschaft, die sich wie ein roter Faden durch mindestens zwei Drittel
des Readers zieht, verdirbt mir ein wenig den Spaß an der Lektüre. Andererseits
gibt es einiges zu lachen, auch wenn es unfreiwillig komisch wirkt. Zum
Beispiel die seitenlangen Ergebenheits- und Gruß-Adressen zum Zehnjährigen des „Zukunft
Elbinsel“-Vereins. Es ist wie Fähnchen-Schwenken beim Kongreß der Volkskammer
der DDR. Dort war nur ausnahmsweise das Volk vertreten. Die sog. Volksvertreter
vertraten vor allem sich selber und ihre eigene Karriere. So ähnlich auch in
diesem Buch. *Dr. Buhmann*
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