Der Blogger bespricht eine Zeitung, die jeden Samstag in Hauseingängen liegt. In dem Blatt hat der main-stream seine Stimme, zeigt kulturelle wie politische Hegemonie. Aus künstlerischer und intellektueller Sicht ist DNR eigentlich nicht ernst zu nehmen. Eigentlich ... *RS*
Kulturjournalismus, in Bildern denken, Gegenöffentlichkeit, Experiment, Schutzengel
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Sonntag, 28. Juli 2013
Der neue Ruf : Ein Echo
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Freitag, 24. Mai 2013
igs - oder Friedhof?
Das Elbe-Wochenblatt titelt: "Friedhof verloddert". Gemeint ist der im Süden der Elb-Insel gelegene Friedhof Finkenriek. Zwischen Pflastersteinen wachsen Gräser und Moos. Einige Gräber sind mit sog. "Unkraut" überwachsen. UND? Wird dadurch die Totenruhe gestört? Ich entnehme dem Artikel, daß "Drei Mitarbeiter für 25 Hektar - viel zu wenig" seien. Ist das wirklich wahr? * Ich bin ab und zu auf dem Finkenrieker Friedhof und finde ihn sehr schön angelegt, mit u.a. großen Rasenflächen. Wo ist das Problem? Klar: Bei der igs (Internationale Gartenschau) werden Millionen aus dem Fenster geworfen. Für das dicke Minus in zweistelliger Millionenhöhe (40-60 Millionen € schätze ich) werden nicht die verantwortlichen Politiker zur Rechenschaft gezogen, sondern die steuerzahlenden Bürger zur Kasse. Man muß nur 1 und 1 zusammenrechnen, um zu sehen, wie die Schulden entstehen. Ca. 100 000 Kirchentag-Besucher hatten freien Eintritt. Wenn nur die Hälfte von denen (= ca. 50 000) zur iga kamen, waren das bereits 1 Million €uro (bei 21 € Eintritt). Obwohl die Mitarbeiter_innen des Elbe-
Wochenblatt intelligent sind, bringen sie diese Information in dem Zusammenhang nicht. Der Personalmangel beim Finkenhofer Friedhof ist nicht neu - aber offenbar paßt das Thema zur Zeit. Das Wahlgeschenk an die Kirchentagsbesucher (nichts anderes war der Freie Eintritt) zeigt deutlichst die Verwobenheit von Macht - Kirche - Geld. Allen scheinheiligen Beteuerungen zum Trotz geht es so-wohl den igs-Verantwortlichen als auch der Kirchenführung wie auch der SPD und den Grünen eigentlich nur um Zweierlei: Erstens um die eigene Karriere, zweitens um die Bewahrung der Macht-verhältnisse. Auch DAS weiß natürlich die Elbe-Wochenblatt-Redaktion. Und hütet sich, wie der Teufel vor dem Weihwasser, Fragen der Macht, Kommerzialisierung der Kirche, gemeinsame Seilschaften von SPD und ev. Kirche usw. auch nur anzudeuten. Statt dessen: Schönfärberei in der Vertikalen, Sozialkitsch und Tränendrüsen-Journalismus nach Unten. Der Kleine Mann, die normale Rentnerin fühlen sich betrogen - haben aber nicht den Mut oder die Kraft, Enttäuschung und Ängste zu artikulieren. ** In DER NEUE RUF, Wilhelsmburgs IBA- und igs- Hofberichterstattungs-Organ Nr. 1, wird "erste Bilanz" bzgl. igs gezogen. Erstaunlicherweise sogar mit kritischer Tendenz. Statt erwarteten 15.000 Besuchern kamen bisher nur 6.000 täglich. Eigentlich kein Wunder bei DEN Eintritts- (21 €), Essen- (Pommes Frites mit Currywurst = 7,50 €) usw. PREISEN. Die igs-Verantwortlichen machen eher das "schlechte" Wetter verantwortlich für den mageren Zuspruch. Wie auch immer: Verantworten muß sich niemand für die hohen Preise und das damit zusammenhängende Minus. ** Hamburg liegt m.E. beim Rausschmeißen von Steuergeldern bundesweit ziemlich weit vorne. Darauf einen TUSCH! Tatä-tatä-tatä! Es gibt ja nicht nur IBA und igs, sondern auch beispielsweise die Elbphilharmonie. Unsere Politiker machen ihren Job as usual. Als ob es keine finanziellen Probleme gebe. Naja, Politikerinnen wie Jutta Blankau, Olaf Scholz etc. kann das auch wurscht sein. Ihre Gehälter sind üppig. Sie sparen wo sie können - nur nicht bei sich selber. *** Zurück zum Friedhof. Er ist einer meiner Wilhelmsburger Lieblingsorte. Wer Ruhe sucht, findet sie dort. Ich freue mich auch über "Unkraut". Der 152-er Bus fährt bis zum Eingang. **RS**
Dienstag, 3. Juli 2012
Gefälligkeits-Journalismus
In
der Süddeutschen Zeitung (SZ) erschien
vorletzte Woche ein Artikel mit der Überschrift „Explorie-re, Künstler!“ Es
ging darin um Kunstjargon(s) bzw. Schreiben über Kunst nach vorgegebenen
For-meln. Dies sei, so die These des SZ-Autors Peter Richter, in diesem Land seit Längerem nicht Ausnahme, sondern Regel: „Wer einen Text haben will, der nach 2012 klingt, verwendet am besten
die Verben „erforschen“, „analysieren“, „reflektieren“ und adressieren“, ein
paar kernige deutsche Sub-stantivierungen auf –ung, ... irgend etwas ... von am
besten Debord, Foucault, Deleuze ..., dann alles einmal ordentlich durchgendern
/“Rezipient_innen“), und fertig.“ Ich bin neidisch auf die SZ, den Autor
P.Richter und das Problem, das er andeutet. Es handelt sich da um ein Luxus-Problem,
scheint mir... – Ich lese seit etlichen Jahren Texte über die
Wilhelmsburger Kunst- und Kultur-Szene. Seit IBA und igs sich breit machen,
haben sich besagte Artikel explosionsartig vermehrt. Sprachlich gesehen erkenne ich keine Entwicklung, Steigerung,
Differenzierung bzgl. Genauigkeit in der Beschreibung und den Begriffen. Von
Wort-Erfindungen oder Geistesblitzen ganz zu schweigen. In diesem Stadtteil
werden, IBA hin, igs her, Kunst und Künstler und ihre Beurteilung auf den
sozialen Aspekt reduziert. Platter geht’s nicht. Wer sich „wohl“ verhält und
sich „sozial“ nach außen gibt, ist gut. Ästhetik "als solche" –damit meine ich einen Diskurs auf einem Niveau, das a
little bit Kunstverstand und eine gewisse Sprach-Kompetenz erfordert-
findet auf der Elb-Insel nicht statt. Es gibt hier genau zwei Kriterien, nach
denen Kunst und Künstler beurteilt werden. A): Was erfolgreich ist, ist gut.
B): Was sich „sozial“ gibt, ist gut. Die „Akademie
einer anderen Stadt“ versuchte in
eine andere Richtung zu gestalten bzw. zu diskutieren. Leider waren die beiden
Damen so karrierebeflissen und so krass mit gewissen Vorurteilen behaftet, daß sie es, trotz massivster Unterstützung durch
die IBA, nicht schaff-ten, von ihrem elitären Podest herunter zu kommen und
Impulse von Wilhelsmburgern aufzunehmen, die einiges besser wissen als
sie. In Wilhelmsburger Medien ist
schablonisierte Sprache nicht Ausnahme, sondern Regel. Sie wird ohne Humor wie auch
ohne Ironie verwendet, als Pflichtübung halt, mit der dann (ohne daß sich
irgendwer die Mühe machte, einmal darüber nachzudenken) angeblich „die
Realität“ dargestellt wird. * In den letzten Wochen brachten das Wilhelmsburger Wochenblatt wie auch der Neue Ruf wieder unzählige, zumeist total
einseitige Artikel über IBA und igs. Angeblich liegen „alle Arbeiten“ „voll im Zeitplan“
behauptet der Neue Ruf. Dazu
kann ich nur anmerken: Die Umbaumaßnahmen bei dem am Veringkanal gelegenen und
für die Künstler-Community vorgesehenen Gebäude, das lt. IBA spätestens im
Frühjahr 2012 bezugsfertig sein wollte, haben noch nicht einmal begonnen. Ich erblicke in solchen Artikeln Gefälligkeits-Journalismus. Kritik, und sei sie noch so berechtigt, wird einfach
ausgeblendet wird. Es geht um den PR-Effekt - nicht um Wahrheit. Die Künstlerin Maren Fiebig wurde mehrfach mit Artikeln
bedacht. Sie betreibt das Insel-Atelier im Laurens Janssen-Haus. Zur Eröffnung
kam sogar der Wilhelmsburger SPD-Chef Metin Hakverdi, um sich mit der Künstlerin und weiteren SPD’lern ablichten
zu lassen. Maren Fiebig passt gut ins taktische Kalkül. Ihre Kunst ist
„sozial“. Im Insel-Atelier können sowohl behinderte wie nicht-behinderte
Menschen kreativ werden. Auf den Bildern kann man „etwas erkennen“, ja Dinge
bzw. Gegenstände identifizieren. Dieser Realismus mit sozialer Komponente kommt
gut an. Vor allem läßt sich diese Art
Kunst gut instrumentalisieren, sprich: vor politische Karren spannen. Und Geld
aus irgendwelchen Töpfen gibts sicher auch. SPD, Wochenblatt und Neuer Ruf
arbeiten Hand in Hand. So wird Kulturarbeit kalkulierbar. Daß es hier um Macht geht und die „Kunst“
instrumentalisiert wird – wer will das schon so genau wissen! Meine
Prognose: 2013, spätestens 2014 wird
Maren Fiebig einen Kunst-Preis erhalten. Preise sind ein gutes Mittel, Künstler im
Sinne von political correctness kalt
zu stellen und zu erziehen. --- Von
denen, die hier antraten, es ANDERS zu machen, ist seit längerem nichts mehr zu
hören und zu sehen. Der Anspruch der WCW-gallery
(Mokrystraße) besteht oder bestand zumindest darin, Kunst NICHT nach den
gängigen, schablonisierten und am „Sozialen“ angeschmiegten Kriterien zu
„machen“ bzw. zu propagieren. * Nächstes
Jahr soll es, zu den Höhepunkten von IBA und igs, wieder einiges an
Kunst&Kultur geben. Die igs verpflichtete eigens eine Kuratorin. NA und?? Ich sage:
Wilhelmsburg ist, was Kunst und Kultur betrifft, tiefste Provinz. In der Medienlandschaft finden sich keine
Hinweise darauf, daß dies anders werden könnte. Hier grassiert ein
Journalismus, dem es allein um Image-Pflege und die eigene Karriere geht.
Gefälligkeits-Journalismus halt. * Gerne lese ich ab und an die SZ. Das
intellektuelle Niveau ist überaus beachtlich. Ich sehe, was Journalismus AUCH
sein könnte. *R.S.*
Dienstag, 22. Mai 2012
Dr. Buhmanns Erzählungen
Anläßlich der Lesung im Heimatmuseum (mit Helmut Reithofer, Saxophon) hatte Claus-Peter Rathjen die Werbetrommel gerührt und zu 2 guten Artikeln im "Neuen Ruf" und im "Wilhelmsburger Wochenblatt" angeregt. Bevor ich damit herausrückte, was es mit dem "Dr. Buhmann" für eine Bewandnis habe, las ich erst einmal einen Text über den langjährigen Leiter des Heimatmuseums, Hermann Keesenberg:
Mitte
der 80-er Jahre besuchte ich das Wilhelmsburger Heimat-Museum und lernte dabei
Hermann Keesenberg kennen. Der
hochbetagte Mann erwies sich als überaus interessiert an den Gästen. Als er
hörte, daß ich Puppenspieler sei, nahm ich ein schelmisches Lächeln wahr,
verbunden mit einem Hauch Skepsis. „Puppenspieler?
Ein seltener Beruf. Welche Stücke spielen Sie?“ fragte er neugierig. „Ach“,
erwiderte ich, „weniger traditionelle Figuren wie Kasperle, Räuber Hotzenplotz
und so.“
„Eigene Stücke? Kein Kasperle?“
„Doch,
einen Kasperle hab ich im Programm“, erwiderte ich, „ich spiele aber lieber
Anderes“.
„Hmm... das wäre doch mal was. Vielleicht
können Sie im Museum auftreten.“
Bei
unserem nächsten Treff hatte der freundlich und distinguiert parlierende Herr
bereits eine konkrete Idee. Er wolle mit dem Heimat-Museum einen
„Plattdütsch“-Nachmittag veranstalten. Ob ich bei der Gelegenheit die Puppen tanzen lasse wolle?
„Gerne“, freute ich mich. „Aber ich
spreche kein Missingsch oder hamburger Platt“.
„Das macht nichts“, beruhigte mich Herr
Keesenberg. „Ich erzähle vor der
Veranstaltung ein paar Anekdoten, dann überlasse ich Ihnen das Weitere. Sagen
Sie mal, kommen Sie aus Holland?“
„Nicht
direkt... holländische Grenze, Niederrhein, Xanten.“
„In Xanten war ich vor vielen Jahren,
Siegfried, der Xantener Dom, die Nibelungen-Sage. Das sagt mir etwas.“
„Ich lebe schon mehr als zehn Jahre in
Hamburg“, merkte ich an, „aber meine
Aussprache ist noch niederrheinisch. Das fällt jedem sofort auf.“
„Stört Sie das? Bleiben Sie, wie Sie sind“, vernahm
ich nun. „Es ist gut, daß es noch
Unterschiede in den Dialekten gibt,. – Also abgemacht, Sie treten auf?“
„Gern,“, erwiderte ich, „ich weiß aber nicht, ob dies der richtige
Ort ist. Ich habe eine relativ große Bühne.“
„Keine Sorge“, sagte der Mann, der nach
dem Krieg viele Jahre die Geschicke des Heimatmuseums leitete und zudem Rektor
einer Wilhelmsburger Schule war.
„Wir werden einen geeigneten Platz finden. In
Moorwerder gibt es einen Bauernhof, der Eigentümer ist dem Heimatmuseum
verbunden. Dort haben wir schon Veranstaltungen durchgeführt.“ **
An
die Einzelheiten des Auftritts erinnere ich mich nur vage. Ich brachte „Mopsi
Nase - auch Gespenster wollen essen“, ein Stück, das in und vor einem
Küchenschrank stattfindet. Die Zuschauer waren im Schnitt 60-70 Jahre alt und
applaudierten für eine Aufführung, die auf Kinder zugeschnitten war. Ohne
Hermann Keesenberg, der mit seinen Schnacks eine Brücke baute zwischen
traditionellem Wilhelmsburg und exzentrischem Puppenspiel, wäre ich wohl
unterge-gangen. Der 90-jährige war, bei aller Beschei-denheit, ein guter
Conferencier. der mit plattdütschen Erzählungen alle Sympathien auf seine Seite
brachte. liebenswürdig bescheidene Mann war ein guter Conferencier. So einen
Mann hätte ich mir als Lehrer gewünscht. Streng aber gerecht, stellte ich ihn
mir vor meiner Klasse stehend vor, und dann vor allem humorig. Ein
Menschenkenner. Kein Schüler beeindruckte ihn mit Ausreden. Eine Figur wie aus
einer Wilhelm Busch-Erzählung. Ein Mann, der sich kein x für ein u vormachen
ließ. Und für den noch Werte als Geld zählten.
Ich
denke an ihn mit großem Respekt.
*** Danke für respektvolle und gastfreundliche Aufnahme im Heimatmuseum! Der Auftritt machte Spaß. Und jetzt wissen es also auch endlich einige Wilhelmsburger: "Dr. Buhmann", der Alias-Name des Autors und Bloggers, war einst ein Protagonist der Hamburger Poetry Slam-Szene. Es gibt bis heute den "Dr. Buhmann-Gedächtnis-Preis", der jeden Monat für die schrägste, "abgefahrenste" Performance ("Hamburg ist Slamburg" heißt die Veranstaltung, meine ich) verliehen wird. Und der Dr.-Titel? Rührt daher, daß der Autor mit wissenschaftlicher Akribie gewisse Phänomene untersucht. *** Eine gehölrige Portion Ironie nicht zu vergessen ...) ... genauso wenig wie das Kunstbüro Wilhelmsburg, das mich in schwierigen Situationen häufig stark macht. /// Einen Besuch des Wilhelmsburger Heimat-Museum empfehle ich aus verschiedenen Gründen. ist aus verschiedenen Gründen. Erstens gibt's ne Menge zu sehn, zweitens leckeren Kuchen, drittens aufmerksame Gastgeber. *R.S.*
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