Samstag, 27. April 2013

Montags-Demo Hamburg : Unflätige Worte

In regelmäßigen Abständen wird von Moderatoren der Montags-Demo (Mönckebergbrunnen) betont, daß „Alle außer Faschisten“  ihre Meinung sagen oder Statements abgeben dürfen, per Mikro. Neu ist der Hinweis Wir wollen keine unflätigen Wortbeiträge“.  Was haben wir uns unter „unflätigen“ Worten vorzustellen? Kraftausdrücke wie „Scheiße“, „Fuck“, „Arsch-löcher“, „Heinis“, „Pißnelken“, „Schweine“, „bürokratisches Gesocks“, „Wixer“, „Arschkriecher“ usw? Ich war jetzt gut drei Monate bei den Montags-Demo fast jedesmal dabei. Ich erlebte zwar noch keine „Faschisten“ dort, aber man/Frau will sich offenbar unbedingt als „antifaschistisch“ profilieren.  Kommen deshalb mehr Leute? Was die Abwehr und Furcht vor „unflä-tigen WortWortbeiträgen“ betrifft, so kann ich nur einen erstaunlichen Mangel an Empathie (Einfühlungsvermögen) feststellen. Jeder, der sich mit den Problemen Arbeitslosigkeit, HartzIV, Unterbezahlung, 1€-Jobs befasst, weiß, daß es hier um Menschen geht, die enorm unter Druck stehen. Dieser Druck, der zu Verzweiflung, Wut, Resignation führen kann, muß erst einmal heraus. Das ist das Erste. Die Sprache ist auch ein Ventil, kann die Funktion eines Abflusses, Schlauchs, Rohrs haben. Daß etwas rauswill bzw. rausmuß, bei diesen Verhältnissen, bei diesen Triezereien, Gedemütigt- und am ausgestreckten Arm gehalten werden, Ungerechtigkeiten, mit denen HartzIV-Empfänger_innen ständig konfrontiert werden, ist eigentlich sonnenklar.  Die Forderung, keine „unflätigen Wortbeiträge“ abzuliefern, ist quasi eine Zensur. Es kommt einer Aufforderung gleich, die Sprache zu beschneiden und sich an die Gegend, in der die Montags-Demo stattfindet, anzupassen. Shopping-Möglichkeiten für Gut- und Besser-Verdienende. Ich bin selber „arbeitslos“. Inzwischen habe ich den Eindruck, daß ein Großteil der Montags-Demonstranten sich in die Situation von Arge- und HartzIV-Empfängern nicht hinein-versetzen kann. Wahrscheinlich sind sie selber nicht arbeitslos und wissen nicht, wie es IN einem HartzIV-Empfänger aussieht. ** Beim letzten mal waren wir nur noch ca. 10 Leute. Die Hälfte oder mehr als die Hälfte davon MLPD-Leute (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands).  Im Grunde habe ich nichts gegen sie, einige finden ich sogar sympathisch; sie nehmen ein demokratisches Recht wahr und sorgen für Logistik (Mikrofon-Anlage). Ich habe jedoch etwas dagegen, daß Wortbeiträge um ihren emotionalen Ausdruck beschnitten werden. Ich bin für das Freie Wort. Und was frei ist, bestimmt nicht ein Moderator, sondern der-die Redner_in selber. „Unflätige Worte“ sprich Obszönitäten können befreiend wirken.  ** Ich bin sehr enttäuscht. Es gibt offenbar –was mir anfangs nicht klar war- eine Hierarchie bei der Organisation der Hamburger Montags-Demo. Ein MLPD’ler sprach einmal von „Streitkultur“ – was ich sehr gut fand, sozusagen als Basis für Diskurse. Inzwischen glaube ich nicht mehr, daß der Hinweis auf „Streitkultur“ ehrlich und echt gemeint war.  *** Dies ist mein ca. 15. Blog zum Thema Montags-Demo. Bis heute erfuhr ich keinerlei Reaktionen auf meine Statements. Das ist sehr wenig bei einem Anspruch auf „Streitkultur“. Andererseits wurde mir schon das Mikro aus der Hand genommen.  Ich bin sehr enttäuscht von der Klein-kariertheit einiger Mo-Demonstrantinnen. Hier findet keine Öffnung statt in einen breiteren Diskurs, bei dem Passanten, Neugierige, Andersdenkende einbezogen werden. Hier entwickelt sich nicht eine breite Bewegung, sondern eine Sekte.  Um Passanten, Neugierige usw. einzubeziehen bedarf es rheto- und animatorischer Fähigkeiten. Polit-Phrasen reichen nicht aus.   **RS**   

Kommentare:

Erich Heeder hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Erich Heeder hat gesagt…

LINK:
http://www.youtube.com watch?v=sBwVO3pRrUo

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